„Ich liebe diese Welt“: Die Münchner Band „Intensive Erfrischung“ über Partystimmung, Hoffnung, und alles was so schiefläuft

von Clara Fiedler

Harte Beats und meisterhafte Metaphorik: Die HipHop-Formation "Intensive Erfrischung". Foto: Florian Rauh

Positive Energie, Feierlaune, „Gutes Feeling“: All das nennt Rapper Double J auf die Frage, was seine Band „Intensive Erfrischung“ sein soll. Kritisch und aufrüttelnd sind die Texte des jungen Münchner MC trotzdem. Er ist brutal mit Sprache. Klare Worte, unreine Reime und ein Gefühl für Eingängigkeit prägen seine Art von Poesie.

 

Die Musiker um ihn herum sind allesamt in den verschiedensten Stilen zuhause. Das erklärt auch Double Js Feststellung, dass es seit zwölf Jahren des Bestehens der Band keine wirkliche Entwicklung gibt. Es war schon immer alles da. Rock, Jazz, Funk, Reggae und natürlich der HipHop, dem die Formation sich hauptsächlich zuordnet. Angefangen hat alles wie bei so vielen Bands in der heimischen Garage. „Mein Vater hat Bass gespielt und da haben wir angefangen, auf verschiedene Beats ein bisschen zu rappen“, erzählt J. Man traf sich immer wieder mit verschiedenen Musikern zu Sessions, schließlich schloss man sich zusammen, und die damals noch junge Band zog in eine Art separates „Haus“ - ein Anbau in einem Sendlinger Hinterhof.

Dort sind sie bis heute, haben den lauschigen Ort zu Studio und Proberaum ausgebaut und vielleicht ist es auch ein Stück weit das Ambiente, das diese unheimlich vielseitige Musik formt. „Für uns ist das hier ein Ort zum Abtauchen“, meint Florian Rauh alias DJ Forten. Es dauere „ewig“ bis ein Album fertig sei, denn alles werde hundertmal umgeschmissen und wieder neu zusammengefügt, so lange, bis wirklich jeder zufrieden ist. Hier komponiert niemand, keiner verteilt Notenblätter. Alles entsteht durchs gemeinsame Improvisieren und Ausprobieren.

Bei der Besetzung hat sich jedoch in den Jahren viel getan. Florian beklagt einen hohen Gitarristenverschleiß und dann war da noch der Drummer, der auf Weltreise ging. Der jetzige Schlagzeuger musiziert unter dem Pseudonym „Bass-T“. Fast zur Band gehören außerdem Keyboarder Joe und Sängerin Caro. Ohnehin sind „Intensive Erfrischung“ in der Münchner Szene sehr stark verwurzelt. Auch andere einheimische Rapper machen ihre Aufnahmen im Hinterhofhaus, jeder spielt auf jedem Album, die Band kooperiert mit MC Roger Rekless ebenso wie mit Soulsänger Adriano Prestel, der sie bei ihrer aktuellen Single „Diese Welt“ unterstützte.

Passt ins Konzept. Alles darf sein, alles ist irgendwo interessant. Eine Einstellung, die wirklich intensiv erfrischend ist, wenn man hört was dabei herauskommt. J und Florian sind beide ein bisschen redefaul, es fällt ihnen sichtlich schwer, auszudrücken was das alles für sie bedeutet. Eines wollen sie aber eindeutig: Inspirieren. Sich selbst und ihre Zuhörer. „Ein Beat ist für mich dann gut, wenn ich Lust kriege, mit Sprache was zu machen“, sagt J und deutet mit rhythmischem Kopfnicken an, dass es ihn innerlich wie äußerlich in Bewegung versetzen muss. Zum Schluss nennt er ein Wort, das bestätigt, was durchkommt, wenn man „Intensive Erfrischung“ hört: Hoffnung. Man stutzt. Was er sagen will ist letztenendes, dass durch eine positiv-kritische Energie der Wille zum Handeln, zum Verändern bestärkt wird. Und, dass man auch mal den ein oder anderen Track braucht, um zu feiern, eine gute Zeit zu haben und die Welt ein bisschen Welt sein zu lassen.

Veröffentlicht am: 21.08.2011

Über den Autor

Clara Fiedler

Redakteurin

Clara Fiedler ist seit 2011 beim Kulturvollzug.

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