Freitagsgedanken (Folge 17): Romance without Finance is Impossible

von Clara Fiedler

Manche Musiker müssen für ihr Geld mucken, bis der Arzt kommt. Foto: fie

Der Musiker und die Finanzen, das ist auch so ein Thema, das den meisten Wissenden schon mal ein verzweifelt-steifes Grinsen ins Gesicht zaubert. Es gibt da eine Anekdote eines ungenannten Münchner Jazzpianisten, der einen Anruf von der Sparkasse erhielt, sein Konto sei 20.000 DM im Minus. Er fragte den Angestellten: "Und was war vor zwei Monaten auf meinem Konto los?" Der Angestellte: "Da waren Sie 10.000 Mark im Plus." Der Pianist: "Und? Hab' ich Sie da angerufen???"

Das ist wirklich bezeichnend. Genauso wie das Schild an einer Hauswand in meiner Straße: "Betteln und Musizieren verboten". Fast so, als wäre das dasselbe. Aber was ist das überhaupt für ein Image, das der Künstler an sich da hat. Und warum ist das Urteil so verbreitet, dass Kunst und Geld einander entgegenwirken. "Früher waren sie gut, und dann sind sie kommerziell geworden", lautet ein häufiger Vorwurf an die ehemalige Lieblingsband. "Das ist mir zu kommerziell" ist ohnehin ein Satz, den der, der ihn sagt, selten überprüft hat. Was soll denn das? Darf ein Musiker kein Geld verdienen?

Doch, darf er. Der Satz beinhaltet eigentlich die Klage darüber, dass etwas zu gefällig sei. Und als Argument dafür, warum der Betreffende nichts Eckigeres macht, wird angeführt, dass er mit Gefälligkeit leichter Geld verdient. Dass er vielleicht auch aneckte, wenn er das spielte, was er gerne spielt, aber dass er es nicht tut, weil er Angst vor der Armut hat. Brillante Gehirne wie Stefani Germanotta alias Lady Gaga werden da verunglimpft, weil keiner hinschaut und alles, was Geld macht, in einen Topf wirft. Nicht, dass Lady Gaga das sonderlich kratzen würde, aber seltsam ist es schon.

Dem Künstler, der Geld verdient, wird vorgeworfen, dass er sich verrät. Fast schon ein romantisches Ideal hingegen ist der arme Schlucker, der sich selbst treu bleibt. Hängt das mit dem Wunsch eines jeden Menschen zusammen, sich  zu verwirklichen? Und mit der Überzeugung, dass man dafür einen Preis zahlen muss? Es sieht fast so aus, als würde man sich hier freiwillig vor die grausame Entscheidung stellen: Entweder gut leben oder man selbst sein. Ist das furchtbar, oder ist das furchtbar?

Oder noch besser: Um das Geld zu "verdienen", muss ich etwas tun, das ich nicht mag. Ich muss mich verbiegen, und so tun als ob ich das wäre. Denn warum sollte mich jemand dafür bezahlen, dass ich bin, was ich bin? Das sind traurige Gedanken, die leider nicht nur am Freitag, sondern immer da sind.

Es gibt einen Typ Musiker, dem nachgesagt wird, dass er sowieso und immer zuviel verdient, egal wie gut oder wie schlecht oder wie eckig er ist: Der DJ. Wenn er gut ist, dann beherrscht er folgendes: Er variiert, bastelt, ist sein eigenes Orchester, sein eigener Dirigent, er ist Komponist und Musiker zugleich und das auch noch so, dass andere Leute dazu tanzen können und sich wohlfühlen. Vielleicht verdient er deshalb so gut, weil er genau das tut und ist. Nicht nur im Club hinter seinen Turntables.

 

 

Veröffentlicht am: 11.11.2011

Über den Autor

Clara Fiedler

Redakteurin

Clara Fiedler ist seit 2011 beim Kulturvollzug.

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