Ultima Vista – der Rückzug der Titanen: Ausstellung der Klasse Huber der Kunstakademie München im Messner Mountain Museum in Südtirol

von kulturvollzug

Ausblick vom Monte Rite. Foto: Linseisen

Die Klasse Huber der Münchner Akademie der Bildenden Künste präsentiert ihre Arbeiten unter dem Titel Ultima Vista im Messner Mountain Museum in den Dolomiten auf 2000 Meter Höhe.

Die Künstler der Klasse von Kunstprofessor Stephan Huber an der Kunstakademie München haben sich zurückgezogen - ins Exil. Sie haben sich verschanzt in einer alten Kaserne des ersten Weltkriegs. Hier hantieren sie, machen Kunst: ohne Strom, Licht, fließendes Wasser, auf 2000 Meter Höhe. Sie bezeichnen sich als Krieger, die Niederlagen erlitten und Kämpfe ausgefochten haben. Abgeschottet und sozial isoliert, ordnet sich das künstlerische Kollektiv neu und gibt einen Einblick, der der letzte , der ultimative sein soll: Ultima Vista.

Felskanten und Kalkschichten: die Dolomiten sind beeindruckend in ihrer geologischen Mächtigkeit. In dieser menschenfeindlichen Umgebung auf dem Monte Rite präsentieren die Künstler der Münchner Akademie ihre neuen Arbeiten. Weit weg von Südtiroler Tourismus und italienischem Dolce Vita begibt sich der Besucher auf eine Reise in ungeahnte Höhen: sowohl künstlerisch, wie auch geographisch. Der Ort der Ausstellung beherrscht das Thema: dramatisch ragt das italienische Bergland in den Himmel: surrealer als es die Fiktion je sein könnte.

Raum der Helden von Susanne Beurer und Daniel Goeh. Foto: Linseisen

Die Klasse spielt mit dieser Realität, lässt sich ein auf die Besonderheit des Ortes. Imaginäre Kriege werden in ihren Arbeiten zelebriert. Wofür gekämpft wurde und mit welchen Mitteln – diese Fragen beantworten die Arbeiten selbst: Eine aus schwarzen Tüll bestehende „Waffe“, die an ein überdimensionales Kaleidoskop erinnert, spinnt sich in den Raum. Die Arbeit Plateau von Matthias Numberger, Thomas Silberhorn und Max Biek  ist eine aus Salz bestehende Hochebene, auf der Elefanten gegen Militärflugzeuge kämpfen, Der Raum unserer Helden von Susanne Beurer und Daniel Goehr widmet sich den Idolen der Künstler. Der Raum unserer Wunden von Simone Kessler erzählt Geschichten des Schmerzes. Auf Knopfdruck kann der Besucher Trost und Hoffnung erwerben: Automaten als Seelenspender.

Propagandaraum mit Arbeiten von Gabi Blum und Isabelle Pyttel. Foto: Linseisen

Der Propaganda-Raum spielt mit kunstgeschichtlichen Zitaten und kontrastreichen Impressionen: die Arbeit überwältigt durch eine Komposition aus Fotografien , Stoffbahnen und geometrischen Holzskulpturen. Eine aus Salz bestehende Berglandschaft demonstriert Kriegsszenerien auf dem Plateau. Wie selbstverständlich beherrschen die Exerzitien 1-8 von Isabelle Groß, meditative Installationen aus Latex, Federn, Haar und Glas, die Räume des alten Militärstützpunkts. Die Beschaffenheit der besonderen Lokalitäten verweigert jedwede elektronischen Hilfsmittel, und doch schafft die Klasse ein Werk voller medialer Gewalt: mit Tageslicht und viel Sinn für das Monumentale.

Die Ausstellung wurde von Reinhold Messner eröffnet, einem Bergheld aus ganz anderen Dimensionen. Sein Museum unterstützt die Künstler auf ihrem “Höhenzug“. Diese vermischen Wahrheit und Illusion, inszenieren einen Heldenkampf. Und doch kann man in diesem fiktiven Szenario die Tragik eines Krieges spüren. Zu viel Pathos? Nein! Denn diese Ausstellung ist kein Kunstereignis sondern ein Wahrnehmungsspektakel. Hier erwarten Sie Ausblicke, die so unwirklich sind, dass man sie eher glaubt, als wirklich sieht.

Die Ausstellung Ultima Vista ist bis zum 01.10.2010 auf dem Monte Rite zu sehen. Täglich von 10:00 - 13:00 Uhr und 14:00 - 18:00 Uhr, ab Mitte September bis 17:00 Uhr. Die Kaserne ist über den Parkplatzauf dem Passo di Cibiana entweder zu Fuß (1,5 Stunden) oder per Shuttle-Service erreichbar.

Elisa Linseisen

Veröffentlicht am: 14.07.2010

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