Der Tod und die Mädchen - eine Ausstellung in der Candela Project Galerie

von Achim Manthey

Ohne Titel, 2009 (c) Erin Mulvehill, courtesy Candela Project Galerie

In der Ausstellung "Underwater" zeigt die Candela Project Galerie in München außergewöhnliche Bilder der jungen amerikanischen Fotografin Erin Mulvehill.

Sie schläft den ewigen Schlaf. Die Augen geschlossen, der Mund leicht geöffnet. Verdrehte Hände lugen aus einer Jacke hervor, die ihren Körper zu bedecken scheint. In milchiges Licht getaucht suggeriert das Foto, eine Ertrunkene läge dicht unter der Wasseroberfläche. Der schöne Tod.

Eine andere wehrt sich gegen ihren Untergang, drückt die Fingerkuppen gegen die von den letzten Atemzügen beschlagene Glasplatte, als wolle sie sich herauspressen aus der Fotografie ins Leben, und hat doch schon fast aufgegeben. Die nur noch leicht geöffneten Augen zeigen es.

Ohne Titel, 2009 (c) Erin Mulvehill, courtesy Candela Project Galerie

In der Fotoserie "Underwater - to be reborn" setzt sich Erin Mulvehill mit einem zutiefst menschlichen und ebenso menschlich verdrängtem Thema auseinander: dem Tod. Sie hat junge schöne Frauen, darunter sich selbst, so fotografiert, als seien sie ertrunken. Ein plötzlicher, unerwarteter Tod. Die Frauen sind so jung. Die Bilder verstören. Nicht, weil sie sich einreihen würden in die tägliche Flut von Fotos schrecklicher Ereignisse, die uns tagtäglich anspringen oder in den "Bric-á-brac der Bilderwelt", wie es Klaus Honnef in seinem Vorwort zum Ausstellungskatalog formuliert. Nein, sie verstören, weil sie individualisieren. Und sie verstören, weil sie auf den Betrachter reflektieren, der nicht unbeteiligt bleiben kann. Der Kreislauf von Leben und die Hoffnung auf ein Leben danach wird in der Reihe untersucht. Die Schönheit der dargestellten Frauen in diesem Moment zwischen Leben und Hinübergleiten kann auch Trost geben.

Erin Mulvehill wurde 1988 in Rochester, New York, geboren. Mit 18 fängt sie zu fotografieren an. "Schönheit wird die Welt retten", so ihr Credo. In ihre Arbeiten fließen die buddhistischen Lehren von Körper und Geist, von Zeit und Vergänglichkeit ein. Die 2009 entstandene Bilderserie "underwater", aus der in der Ausstellung fünf Fotos gezeigt werden, hat sie den Gewässern des Golfs von Mexico gewidmet.

Ohne Titel, 2009, (c) Erin Mulvehill, courtesy Candela Project Galerie

In dem gezeigten Selbstportrait der Fotografin scheinen die Haare durch die Strömungen fortgezogen zu werden, wabern wie Schlingpflanzen davon. Der Mund ist leicht geöffnet, paradoxer Weise einem Fisch auf dem Trocknen nicht unähnlich. Eine andere, die Finger ebenfalls gegen die Scheibe gepresst, drückt sich weg in die Tiefe. Noch eine Schöne kokettiert noch im Tode mit dem entweichenden Leben.

Selbstverständlich sind es inszenierte, komponierte Aufnahmen. Auf Glasscheiben aufgesprühtes Wasser, eine Nebelmaschine erzeugen die Effekte. Die Wirkung wird durch die Rahmung hinter Glas noch einmal verstärkt. Der Betrachter wird hineingezogen in diesen Moment des Übergangs vor dem Eintritt in ein nasses Schattenreich und hat zugleich Hoffnung auf eine Wiedergeburt, ohne dass er diese Schwelle übertreten könnte. "Erin Mulvehill hat der Fotografie ihre Aura wiedergegeben. Das, was der Overkill der rasenden Bild-Maschine beständig überdecken will: die Trauer über den Verlust.", schreibt Klaus Honnef im Vorwort zum Ausstellungskatalog.

Die Ausstellung ist außergewöhnlich, weil sie etwas zeigt, was abseits vom Mainstream liegt und den Betrachter fordert. Die Galerie zeigt Erin Mulvehill erstmals in Deutschland. Dass sie aufgrund der räumlichen Gegebenheiten das Potential der großformatigen Fotografien nicht vollständig präsentieren kann, ist schade. Trotzdem: fünf Bilder, bei denen man sich aufhält. Bemerkenswert.

Bis 30. September in der Candela Project Galerie, Holzstraße 11/im Hof, in München, Di-Fr. 11-18.30 Uhr, Sa 11-15 Uhr. Der Eintritt ist frei. Zur Ausstellung ist ein limitierter Katalog für 15 Euro erhältlich.

Veröffentlicht am: 25.07.2011

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