Mit Infrarot und Design gegen diesen Sommer - zwei sehenswerte Ausstellungen fürs Wochenende

von Achim Manthey

Isar beim Deutschen Museum (Infrarot-Foto und Copyright: Dean Bennici)

Straßen- und Bürgerfeste werden abgesagt, Freiluftkonzerte in Hallen verlegt, weil der Münchner Sommer wieder einmal den April gibt. Gegen den Wetterfrust empfehlen wir den Besuch von zwei Ausstellungen, die nur noch bis zum Sonntag (24. Juli 2011) zu sehen sind.

Spektakuläre Infrarot-Fotografien auf der Praterinsel

Schon wieder Foto? Diese hier sind anders. Im Bereich des unsichtbaren infraroten Lichts entdeckt der 1968 geborene amerikanische Fotograf Dean Bennici, der in München lebt und arbeitet, "eine versteckte Palette unendlicher Farben". Eine tiefblaue Isar beim Deutschen Museum wird gesäumt von roten, bis ins lila gefärbten Blätterwäldern, nur Ludwigsbrücke und Museum haben noch ihre natürliche Farbe. Auch auf dem Gebirgspanorama werden die vorgelagerten Grasflächen in Falschfarben dargestellt, während das Weiß der schneebedeckten Gipfel erhalten bleibt.

Die Infrarot-Fotografie nutzt Lichtwellenlängen, die länger als das sichtbare Licht und für das menschliche Auge nicht sichtbar sind. Infrarote Lichtwellen werden weniger durch Dunst und andere Umwelteinflüsse beeinflusst, sodass die Gegenstände deutlicher dargestellt werden können. Die fotografierten Objekte besitzen darüber hinaus günstigere Reflexionseigenschaften, wodurch spezifische Materialeigenschaften besser erkannt werden können.

Dean Bennici gelingt es in seinen Aufnahmen, Infrarot und natürliches Licht zusammenzuführen und so die Effekte zu erzeugen, die entstehen, wenn Falsch- und natürliche Farben nebeneinanderstehen. Die überflogene graue Stadt, deren Grünflächen in Falschfarben dargestellt sind. Dies alles vor dem tiefen Schwarz des Weltalls. Die Fotos zeigen Unendlichkeit. Portraits gewinnen durch die Verfremdung einen besonderen Reiz. Durch Haarwürfe gebildete Schatten führen zu schwarzen Zügen im Gesicht, Details werden deutlich. Das Gewohnte wird in eine surreale Bilderwelt getaucht. Kategorie sehenswert.

Design in der Lothstraße

Wie mag der Motor-Rennsport aussehen im Jahr 2030? Marco Sweston beschäftigt sich mit dieser Frage und zeigt mit "The Touch Effect" das Modelll eines Rennwagens. Die Zukunft des Automobils und der Automobilität nimmt einen breiten Raum ein in der Ausstellung "Einblicke", in der die Abschlussarbeiten von 80 Bachelor-Absolventen der Fakultät Design an der Hochschule München gezeigt werden, Arbeiten aus den Bereichen Foto-, Industrie- und Kommunikationsdesign. Die von Sebastian Patrick Lemmermöhle oder Johannes Brandesch in der Kategorie Industriedesign gezeigten Automobil-Modelle scheinen an den aktuellen Trends vorbei zu gehen. Fette Karren, die das Auge des Autoliebhabers zwar erfreuen, deren Energieeffizienz aber nicht sichtbar wird. Aufschlussreicher ist da die Arbeit von Maria Selmansberger, die durch weiße Papierhütchen unterschiedlicher Größe den räumlichen Bedarf geparkter Autos beleuchtet.

Stiching Concrete (Foto: Florian Schmid Design)

Dass es auch eine Nummer kleiner geht, zeigen Catharina Sitzmann mit einem Skistiefel, der die Mobilität erleichtert, oder Nathalie Schwarz mit einer Touren-Skibindung. Verena Pflug präsentiert das Modell eines vollständig aus Kunststoff gefertigten Einkaufswagens, der für RFID-Skanner tauglich ist. Minimalistisch die von Florian Schmid entworfenen Sitzmöbel, die aus einem in Großbritannien ursprünglich für kleinere Industiehallen entwickelten Material, Concrete Canvas, hergestellt sind. Das Mataterial ist in gewässertem Zustand zu bearbeiten, fast beliebig zu formen und härtet dann aus. Hier wird auch die Frage beantwortet, was Designer eigentlich machen, ob sie nur für die Schönheit von Gegenständen sorgen. Die gezeigten Objekte zeigen, dass sich Funktionalität und ansprechende Optik nicht ausschließen müssen.

Viele Arbeiten sind aus dem Bereich Foto- und Kommunikationsdesign zu sehen. Helena Mayer befasst sich mit der Metamorphose der Angst, die durch Kleidungsstücke und Fotografien dargestellt wird. Sebastian Lindner hat in seinem Bildband "Epilog" seine Großeltern portraitiert und Michael Compensis geht mit fotografierten Details bekannter Gegenstände wie der Haube des VW-Käfer oder eines Braun-Taschenrechners der Frage nach, was gutes, bleibendes Design ist. Susanne Wernicke überschreitet mit ihrer Bilderreihe ARThropoda die Grenze vom Design zur Fotokunst. Die Fotos zeigen Gliedertiere im Detail, glänzend, tänzelnd, schwebend. Das würde man gern in einer Einzelausstellung sehen. Auch Mortem Müller überzeugt mit seiner Fotoreihe "Sin City - Stan in Trouble".

Das ist alles interessant anzuschauen. Bemerkenswert auch das Engagement, mit dem sich die Absolventen durch Karten, Flyer oder Prospekte auf dem Markt präsentieren. Viele wird man wieder sehen.

Die Infrarot-Fotos von Dean Bennici sind noch am 23. und 24. Juli 2011 von 13-20 Uhr im Nektar Beach, Praterinsel 3 bei freiem Eintritt zu sehen.

Die Ausstellung der Bachelor-Absolventen der Fakultät für Design der Hochschule München ist ebenfalls noch am 23. und 24. Juli im Foyer der Hochschule, Lothstraße 64, von 10-20 Uhr bei freiem Eintritt zu sehen.

 

Veröffentlicht am: 23.07.2011

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Sue Wernicke
23.08.2011 11:13 Uhr

Fotos aus der Abschlussarbeit "ARThropoda" von Susanne Wernicke sind nun auch online unter:

http://www.sue-wernicke.de

Danke und viele Grüße

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