Zeit und Flüchtigkeit: Zum Auftakt von Dance 2010

von kulturvollzug

Am Freitag startet Dance 2010, das internationale Festival der Stadt für zeitgenössischen Tanz. Der Kulturvollzug ist Medienpartner von Dance 2010 - somit werden wir aus der gewohnten Distanz, aber mit erhöhter Schlagzahl berichten. Hier ein Ausblick auf zwei Wochen, die spannend werden könnten.

Louise Lecavaliers "Children / A Few Minutes Of Lock". Foto: André Cornellier

Ein glamouröses Gastspiel fehlt auf der 12. Münchner Tanzbiennale: Das hat die chronische Unterfinanzierung des DANCE-Festivals für 2010 nicht erlaubt. Vom städtischen Etat einer halben Million Euro bleiben weniger als die Hälfte fürs künstlerische Programm. So hat Bettina Wagner-Bergelt, die DANCE 1987 aus der Taufe hob und auch 2008 kuratierte, diesmal unter dem Leitgedanken „Time Codes“ die lokale Szene stärker eingebunden. Das Festival wartet vom 22. Oktober bis 6. November mit sieben Uraufführungen auf. Die stellvertretende Ballettchefin des Bayerischen Staatsballetts wird in zwei Jahren nicht mehr als Kuratorin zur Verfügung stehen. Ein/e Nachfolger/in ist noch nicht benannt.

„Time Codes“, das meint für Bettina Wagner-Bergelt Zeichen der Zeit und der Flüchtigkeit, mit denen Künstler ihre Wirklichkeit beschreiben. Im Zentrum stehen Fragen nach kultureller Identität und die Auseinandersetzung mit Eigenem und Fremdem. „Es geht nicht um das Verschwinden, sondern um das Aushalten von sozialen Differenzen und Heterogenität“, sagte Wagner-Bergelt.

Richard Siegal. Foto: Hillary Goidell

Den Auftakt macht der Amerikaner Richard Siegal, der lange bei William Forsythe tanzte und als Choreograf in Residenz in München arbeitet. Bei „CoPirates“ wirken Münchner Künstler und Gruppen mit wie Alexeij Sagerer, der Attac-Chor, Green City, Parkout und die Piratenpartei. Vorher ist Louise Lecavalier zu sehen: Die Ikone des kanadischen Tanzes in den 80er und 90 Jahren und Protagonistin von Edward Locks Truppe „Lalala Human Steps“. Zusammen mit Nigel Charnock wiederbelebt sie zwei Lock-Choregrafien. Das Bayerische Staatsballett zeigt William Forsythes „Artifact“, seine erste Arbeit 1984 für das Ballett Frankfurt über Erinnern und Vergessen.

Raimund Hoghe. Foto: Rosa Frank

Das ist auch das Thema von Helena Waldmann: In einer Kultur, die Erinnern als Leistung, Vergessen als Krankheit wertet, gilt Demenz als Stigma. Eigene und fremde Vergangenheit spielt eine Rolle beim Choreografen-Duo „Déja donné“ und bei „Monument G“ aus Slowenien, wo eine Choreografie von 1972 mit der damaligen Tänzerin mit einer Neuinszenierung konfrontiert wird. Der Franko-Algerier Rachid Ouramdane hinterfragt seine Familiengeschichte, Cesc Gelabert tanzt ein Solo des 1992 verstorbenen Gerhard Bohner. Les SlovaKs unternehmen eine slapstickhafte Heimreise in die Slowakei, Raimund Hoghe zeigt „Bolero-Variationen“. Eindrücke aus Asien verarbeiten David Brandstätter und Malgven Gerbes sowie die Vietnamesin Ea Sola. Neben der Gruppe Wilhelm Groener und Eszter Salamon sind aus München Philipp Bergmann, Sabine Glenz, Stefan Dreher und Anna Konjetzky dabei.

Gabriella Lorenz

Dance 2010: 22. Okt. bis 6. Nov., Info www.dance2020.de, Karten 089/54 81 81 81

Veröffentlicht am: 21.10.2010

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