Söder, Schreiber, Erichsen: Stabwechsel auf allen Ebenen der Kulturverwaltung – und Bayern und Franken finden neu zusammen

von Michael Grill

Ganz nah am Kern der bayerischen Identität: Schloss Nymphenburg, Sitz der Verwaltung. Foto: Bayerische Schlösserverwaltung

Geschichte wiederholt sich eigentlich nicht, und der an diesem Tag besonders viel hofierte nagelneue Finanzminister „Herr Doktor Söder“ weiß das sicherlich, denn er hatte als Leistungsfach in der Schule Geschichte. Dieses wiederum, findet Markus Söder selbst, qualifiziert ihn zum obersten Dienstherrn der Bayerischen Schlösserverwaltung. Und weil sich Geschichte eben manchmal doch wiederholt, durfte Söder quasi als erste Amtshandlung einen neuen Präsidenten einführen. Was das mit Kultur zu tun hat? Mehr als Söder mit Geschichte jedenfalls.

Die Bayerische Schlösserverwaltung ist dem Finanzministerium angegliedert und damit ein Sonderfall der staatlichen Kulturverwaltung. Doch mit mit 45 Schlössern, Burgen und Residenzen ist sie unter anderem der größte deutsche Museumsträger. Wer diese Verwaltung führt, sitzt an einer der Schaltstellen der bayerischen Identität.

Nun ergibt es sich, dass der bisherige Präsident, der Historiker Johannes Erichsen, altersbedingt ausscheidet, und dabei ist es auf bayrischen Staatsfluren kein Geheimnis, dass der hochangesehene Kulturmensch Erichsen gerne noch etwas mehr Zeit bekommen hätte, aber nicht bekam. Nun ist der Jurist Bernd Schreiber der neue Präsident. Er war in den 90er Jahren einer der besten Ministeriumssprecher in München, anschließend betreute er die Schlösserverwaltung vom Referat des Ministerium aus, indem er mit Leidenschaft und gelegentlich harter Hand deren Modernisierung vorantrieb, was sicher nicht immer konfliktfrei war.

Der neue Präsident Bernd Schreiber (links) mit seiner Frau Gabi und Minister Söder... Fotos: ©Heinz Hoffmann, IPA

Als Erichsen vor genau drei Jahren in seine Amt eingeführt wurde, geschah dies durch einen Finanzminister Fahrenschon, der damals gerade mal acht Tage im Amt gewesen ist. Söder ist nun Finanzminister, weil Fahrenschon sich um den Präsidentenposten des Sparkassenverbandes in Berlin bewirbt, und er ist noch frischer auf dem Posten als es Fahrenschon damals war. Wenn sich Geschichte so gesehen doch in gewisser Weise wiederholt, ist zu befürchten, dass Schreibers Nachfolger einmal von einem Minister eingeführt werden wird, der selbst noch auf seine Urkunde wartet.

Diese stete Beschleunigung des Politikbetriebes war allerdings noch nie die Sache der Bayerischen Verwaltung der staatlichen Schlösser, Gärten und Seen, wie das Hohe Haus offiziell heißt. Dort denkt man gemeinhin in anderen, in historischen Zeitläufen, und die stete Frage für jeden Präsidenten lautet: Was und wie viel muss man bewahren und erhalten, was muss sich dem Zeitgeist anpassen, und sei es auch nur, um genügend Besuchertickets zu verkaufen?

... und mit seinem Vorgänger Johannes Erichsen. Fotos: ©Heinz Hoffmann, IPA

Zum Präsidentenwechsel fand sich jedenfalls im Hubertusssaal von Schloss Nymphenburg so ziemlich alles ein, was in der Kultur- und Geschichtsverwaltung Rang und Namen hat, vom Münchner Ehrenbürger Otto Meitinger bis zu Michael Petzet, Präsident des Deutschen Nationalkomitees von Icomos, dem internationalen Denkmalrat. Passenderweise erklang dazu von Stipendiaten der BR-Symphoniker Tschaikowskys Serenade in C-Dur, die trotz ihrer Tonart etwas Bittersüßes hat, vor allem am Anfang.

Söder schlug sich im Prozedere mehr als tapfer, insbesondere wenn man noch im Ohr hat, wie sich der mittlerweile so begehrte Fahrenschon damals an gleicher Stelle mehrmals verhaspelte. Söder wählte ein klassisch konservatives Entree: Es brauche in der heutigen Zeit ein kulturelles Koordinatensystem. Und er lobte sein neues Haus: Die Schlösserverwaltung stehe für ein solches Koordinatensystem schon aufgrund ihrer Verankerung in der langen staatlichen Tradition Bayerns. In seiner eigenen, der fränkischen Heimat währte diese zwar noch nicht ganz so lange, würde aber „immer freudig angenommen, zumindest teilweise“.

Ein feiner Hinweis auf die fränkische Selbstständigkeits-Folklore der jüngeren Zeit, der Söder bislang ja auch nicht völlig abgeneigt war. Es wird ohnehin spannend sein zu beobachten, wie der Minister in Zukunft mit dem Thema umgehen wird, liegt doch in der Schlösserverwaltungs-Schatzkammer der Münchner Residenz so einiges, das er als Finanzminister zu schützen hat, und als Franke eigentlich „heimholen“ wollen könnte.

Söder lobte erstmal einfach fleißig weiter: Dass jüngst sogar „Hollywood anrückte“, um in der Würzburger Residenz, die ebenfalls zur Schlösserverwaltung gehört, einen Musketier-Film zu drehen, zeige, dass „sich auch das Management der Verwaltung verändert“. Erichsen, dem Populären zugeneigt, aber nicht dem Hollywoodartigen, ertrug es tapfer und bekam anschließend die bayerische Finanzmedaille in Silber. In seiner Rede forderte er, dass man „auf die Wirtschaftlichkeit achten muss, sie darf aber nicht das höchste Ziel des Handelns sein.“

Auch Bernd Schreiber, der neue Mann, skizzierte das Spannungsfeld, in dem sich diese besondere Verwaltung befindet - zwischen Hochkultur und Wirtschaftlichkeit, Kulturerbe und Besucherzahlen. Eine „Grande Dame“, die trotzdem Dienstleister sein müsse. Und er vergaß nicht zu erwähnen, dass er gerade an diesem Tag ein wöchentliches Jour Fixe zur Weiterentwicklung der Nürnberger Kaiserburg eingerichtet habe, was bei Söder seine Wirkung sicher nicht verfehlte. Schreiber weiter: „Zwischen dem Freistaat Bayern und der Bayerischen Schlösserverwaltung besteht eine Teilidentität, diese Schlösser SIND Bayern.“ Da nickte auch der Minister aus Franken.

Veröffentlicht am: 08.11.2011

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Ottenbacher
11.12.2011 13:05 Uhr

Wie sollen die Räume des Hofgartentraktes der Residenz genutzt werden, wenn die Ägyptische Sammlung auszieht ?

Zuständig : Bernd Schreiber, neuer Präsident der Bayerischen Verwaltung der staatlichen Schlösser. Sein "Referat 44" gehört zum Finanzministerium am Odeonsplatz.

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