Zum 25. schenkt sich das "Theater Viel Lärm um Nichts" einen Abgrund - denn Liebe ist wahrlich keine Komödie

von Gabriella Lorenz

Raunacht, Zeit der Geister. Foto: Hilda Lobinger

Das Theater Viel Lärm um Nichts feiert seinen 25. Geburtstag, wie auch anders, mit einem Shakespeare. Lustig oder doch eher todernst? In „Die 12. Nacht oder Was Ihr wollt“ erlebt Protagonistin Viola eine unheimliche Raunacht der Liebeswirren.

Shakespeare ist der Namensgeber, Lehrmeister und Hausautor des Theaters Viel Lärm um Nichts – seit 25 Jahren. Also war es Pflicht und Kür zugleich, dass die Theatergründer Margrit Carls und Andreas Seyferth das Jubiläum in der Pasinger Fabrik mit einem Shakespeare-Stück feierten. Mit  „Was ihr wollt“ zeigt das Regie-Duo Seyferth und Carls auch in Bestform alles, was dem Theater Viel Lärm um Nichts seine unverwechselbare Farbe in der Münchner Theaterlandschaft gibt.

Eine kluge, straffe Bearbeitung, wie immer von Margrit Carls, die mit Doppelbesetzungen auch Shakespeares Doppelbödigkeit der Verwechslungskomödie unterstreicht, und in minimalistischer  Ausstattung die Abgründe hinter der Komödiantik enthüllt.

Einer Anekdote zufolge soll Shakespeare Anfang Januar 1602 auf die Frage nach dem Titel seines neuen Stücks entnervt geantwortet haben: „Ach, nennt es doch die 12. Nacht oder was ihr wollt.“ Der Titel blieb. Die 12. Nacht ist die letzte der Raunächte zwischen Weihnachten und Dreikönig,   die Raunächte galten immer als Zeit der Geister, Mythen und Magie. In Shakespeares Stück spielt das zwar keine Rolle, aber Seyferth und Carls machen die unheimliche Winterzeit zum Bildrahmen ihrer Inszenierung: Ausstatter Stephan Joachim lehnt rundum hohe Spiegel an die Wände: Alles spiegelt sich und nichts ist, wie es scheint.

Reichlich Kunstschnee empfängt die schiffbrüchige Viola (Deborah Müller) frostig im fremden Land, wo sie sich als Mann Cesario verkleidet beim Herzog Orsino verdingt und schnell zu dessen Vertrautem wird. So vertraut, dass Orsino Cesario als Liebeswerber zur spröden Olivia schickt  (Katrin Wunderlich spielt Orsino und Olivia mit Schleierwechseln).

Wo die Liebe hinfällt, wächst kein Gras mehr: Olivia verguckt sich in Cesario, Viola in Orsino. Letzte Rettung aus der Geschlechter-Maskerade muss ein Zwillingsbruder als Deus ex Machina bringen.

Unrettbar in Liebe verloren ist auch Olivias Hausmeister Malvolio (Hubert Bail), mit dem die gewitzte Haushälterin Maria (Theresa Bendel) ein böses Spiel treibt, unterstützt von den Saufkumpanen Sir Toby (Andreas Seyferth) und Sir Andrew (Hannes Berg auf schwindelerregenden Plateausohlen). Und Margrit Carls als weise ergrauter Zausel-Narr besingt zur Ukulele den Regen, „der regnet jeglichen Tag“.

Ach ja, das Leben ist wahrlich keine Komödie. Schon gar nicht bei Shakespeare. Beim Theater Viel Lärm um Nichts dann doch – mit Einblicken in düstere Tiefen.

Theater Viel Lärm um Nichts (in der Pasinger Fabrik), bis 31. März 2012,  Do bis Sa, 20 Uhr, Tel. 089/ 8342014

Veröffentlicht am: 10.01.2012

Über den Autor

Gabriella Lorenz

Gabriella Lorenz ist seit 2010 Mitarbeiterin des Kulturvollzug.

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