Ist die Münchner Jazz-Debatte schon wieder tot? Hey Mann, das ist doch Fasching! Oder: Tanz den Hartz Bop!
Der Punk machte es vor: Arm hat der Musikus zu sein, und die Hose so kaputt wie das Business. Foto Michael Grill
Man hat´s nicht leicht, das Leben ist eine Bloggerei, wie man im schönen Franken sagt. Immerhin frischen Wind in die alten Blätter des Feuilletons (Autumn Leaves) brachte Gastblogger Michael Hornstein mit seiner Improvisation über die gesellschaftliche Evaluierung der Jazz-Musik Nowerdays, heitzutag in den harten Zeiten der Jazz-Cholera. Eine abgestürzte Feldstudie kam heraus, rund herum um die Behauptung, dass es kein Geld mehr gäbe für den Jazz, vor allem dann nicht, wenn sich vorher schon Journalisten, gar Redakteure, wenn nicht ganz und gar Verleger im Pott bedient hätten.
Grusel, grusel – es entsteht das Bild einer unsichtbaren Krake, die überall in Subventionstöpfen schlürft: Zeitungsschmierer, Medieningenieure, Veranstalter – die Jazzweisen von Zion. Mann, das ist doch Fasching!
Aber neben dem Fasching in dem Artikel von Hornstein ist eben so manches auch wahr. Bekannterweise wirkt aber nicht alles, was wahr ist. Denn zugegeben wahr ist es ja, dass sich die Gagensituation für Jazzmusiker übelst verschlechtert hat. Deutschland ist ein Niedriglohnjazzland. Ein Niedrigjazzlohnland. Und das ohne positive Jazzaußenhandelsbilanz.
Jeder Parkwächter kriegt mehr. Die Geschichte mit den 20 Euro in dem Artikel von Hornstein ist kein Witz. Seit bald 20 Jahren geht es da laufend bergab. Deswegen ist der Stil dieser Tage der Hartz Bop. Nicht nur einmal hat es der Booker früherer Tage gehört, wie in diesem Fall, in Zusammenhang mit einer Veranstaltung eines Orts-Frauen-SPD-Vereins, einer Frauen-Orts-Vereins-SPD, angeblich selbst schwer prekär bei Kasse: Man solle halt Jazzer nehmen, die spielen eh gerne. Wörtlich: Tscheeser. Hier legte der der Booker früherer Tage auf.
Gewerkschaft kann auch nicht der rechte Weg sein. Das verschreckt. Der Kulturkonsument, besonders, der nach dem Krieg geborene, früh ergraut und Zeit seines Lebens Made im Speck, ist da wie ein scheues Reh. Kultur, so seine Haltung, sei Grundversorgung, die ihm zusteht, weil er die Republik aufgebaut hat. Was man da gibt, sind Almosen, am besten ermäßigt.
Die Bitterkeit von Hornstein ist ganz und gar berechtigt. Die Schuldzuweisungen, die Ermittlung des Sündenbocks allerdings, ist klar fehlgeschlagen. Hornsteins Artikel ist schlecht, weil er eine perfekte Mischung aus Wahrheiten und Unwahrheiten ist. Da wäre es besser kompakt zu lügen, zumindest garantierte das meist etwas Esprit. So war´s a Bloggerei. Aber schön immerhin, dass es ein bisschen frischen Wind in den alten Blätterwald gebracht hat. Da ist der Jazz halt schon noch lebendiger.
Es ist Fasching. Alaf Supreme!