Zur Stroke Art Fair auf der Praterinsel

Urbane Kunst für die Massen

von Olga Levina

Herakut "And what now?" Foto: Olga Levina

Zum siebten Mal bietet die von den Brüdern Schwalbe gegründete Messe einen interessanten Überblick über die aktuellen Entwicklungen in der zeitgenössischen Kunst. Den Besucher erwarten Live-Paintings, Plastiken und Installationen internationaler Künstler aus Ländern wie Argentinien, Russland oder Deutschland und vieles mehr. So weit so gut, doch was ist neu, überraschend oder vielleicht sogar schockierend?

Gleich beim Betreten des Messegeländes fällt, wie bereits beim diesjährigen "Deadline Urban Art Festival" auf, dass das bisher übliche, alternativere, junge Publikum stark in den Hintergrund gerückt ist. Das urbane Lebensgefühl hat nun jede Generation ergriffen. Jetzt prägen Familien das Antlitz der Stroke Art Fair. Interessant ist vor allem die hier herrschende Akzeptanz einer Kunstform, die von den gleichen Menschen, gern als Schmiererei bezeichnet wird, sobald sie sich außerhalb der Galerien befindet.

Hinter P. Rudolphs Objektkunst erkennt man das stark durchwachsene Publikum. Foto: Olga Levina

Auf dem Messegelände sieht man, dass das Ganze gut funktioniert. Denn neben Szenekennern, die über das Schild mit der Aufschrift "Bitte respektieren Sie den Vandalismus" lachen, stehen nun Großeltern und Eltern, die ihren Jüngsten Bilder wie Herakuts "And what now?" erklären. "Die Frau ist krank und der Mann bringt sie ins Kinderkrankenhaus", so einer der Väter. Diese Entwicklung kann auf zweierlei Weise betrachtet werden: Einerseits als Kommerzialisierung einer Untergrundbewegung und anderseits als spannende Art Kindern Kunst näherzubringen.

Besonders sehenswert sind in diesem Jahr die Fotodrucke von Andrea Peipe, Uwe Langmanns und Lukas Freses Stadtlandschaften, Thiago Goms Mixed-Media-Arbeiten und Philipp Rudolphs Objektkunst, um nur einige zu nennen. Spannend sind auch Julian Opies Interpretation der Mona Lisa mit dem Titel "Elena rolling her eyes", bei der Elenas Augen sich je nach Blickrichtung verändern und die Bilderserie der Berliner Galerie Innerfields, die die Verschmelzung des Menschen mit dem Smartphone zeigt.

Sokar Uno "Zweifelhaftes Vergnügen". Foto: Olga Levina

Ein zweischneidiges Schwert sind hingegen die Partnerschaften mit Lufthansa und der Süddeutschen Zeitung. Einerseits ist es schön zu sehen, dass die von Lufthansa gesponsorten Flugzeug-Trolleys, die im Rahmen der Live-Events gestaltet werden, später für einen guten Zweck versteigert werden sollen. Anderseits fällt auf, dass eine sehr große Fläche, die in den vergangenen Jahren den Künstlern zur Verfügung stand, nun von einem beachtlichen Außenbereich, der der Verkostung sowie Werbezwecken dient, abgelöst wurde. Es ist natürlich klar, dass eine Messe sich nicht von allein finanziert – fragwürdig ist jedoch, ob tatsächlich an fast jeder Ecke ein Zeitungsstand stehen sollte.

Ein insgesamt lohnenswerter Besuch für neue und alte Freunde der urbanen Kunst.

Praterinsel, letzter Ausstellungstag 8. Mai 2016. Einige Erläuterungen zum Konzept der Brüder Schwalbe finden Sie beim Rückblick auf die "Stroke Art Fair" aus dem Jahr 2013. Weitere Informationen zur Messe gibt es auf www.stroke-artfair.com.

Veröffentlicht am: 07.05.2016

Über den Autor

Olga Levina

Redakteurin

Olga Levina ist seit 2012 beim Kulturvollzug.

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