Architekt Chipperfield präsentiert Pläne zur Umgestaltung für das Haus der Kunst

Wieder sichtbar machen

von Christa Sigg

Gut eingewachsen - die Straßenseite. Foto: Maximilian Geuter

Stararchitekt David Chipperfield will das Haus der Kunst wieder sichtbar machen – vor kurzem stellte er in München seine Pläne vor. Nein, das mache keinen Sinn: dass ein für die Stadt so wichtiges Gebäude „hinter einem grünen Vorhang aus Bäumen verschwindet“, erklärt er. „Dazu noch an einem so herausragenden Platz, um den sich jeder Bauherr reißen würde.“

Der britische Architekt hat große Pläne für das Haus der Kunst, und die sehen nicht nur behutsame Umgestaltungen im Inneren vor. Chipperfield will den denkmalgeschützten Bau vor allem wieder sichtbar machen und ihn damit der Stadt zurückgeben.

Das klingt nach einigem Pragmatismus – freilich mit Fingerspitzengefühl. Der 62-jährige Experte für Museumssanierungen sieht keinen Grund, den „durch die Nazi-Ideologie kontaminierten Komplex“ weiterhin durch schamhaftes Verdecken zu bestrafen. Er könne die Bedenken verstehen, als „Haus der deutschen Kunst“ sei es für den falschen Zweck entworfen worden. Ziegel tragen für Chipperfield allerdings keine Schuld.

Die Rückansicht. Foto: Maximilian Geuter

Überhaupt sei der von Paul Ludwig Troost ab 1933 entworfene Bau ideal für die Präsentation zeitgenössischer Kunst, schon allein durch die großzügigen Räume. In den Hauptsälen soll nun wieder Oberlicht einkehren. Und während der Ostflügel wie bisher für Ausstellungen bestimmt ist, sieht Chipperfield im besonders maroden Westteil des Gebäudes mehr Flexibilität vor – etwa durch eine Universalbühne, die für Performances, Theater oder Konzerte nutzbar ist, aber genauso die Voraussetzungen für einen Kongress bietet.

Chipperfield favorisiert mehr Transparenz und eine bessere Übersichtlichkeit, gerade auch in der zentralen Mittelhalle. Man müsse immer die Bedürfnisse der Musemsbesucher im Fokus haben. Deshalb rücken Shops und Vortragsräume oder Treffpunkte für Kunstgänger hin zur Prinzregentenstraße, also in die Südgalerie, die aktuell die Büros der Mitarbeiter um Direktor Okwui Enwezor beherbergt.

Dass sich direkt hinter dem Haus der Kunst der Englische Garten öffnet, ist für einen britischen Architekten natürlich von allergrößtem Reiz. Zumal Chipperfield auf einem Bauernhof in der Grafschaft Devon aufwuchs. Derzeit blickt man von der Terrasse vor allem auf einen gut gefüllten Parkplatz. Eine Katastrophe, of course, man kann Chipperfield nur beipflichten.

Viel Grün auch an den Seiten. Foto: Maximilian Geuter

Und im Gegensatz zur Südfassade mit ihrer neoklassizistischen Kolonnade dürfte auf der Rückseite tatsächlich der Blick in die Natur schweifen, geplant ist ein gastronomischer Mix mit Lounge-Atmosphäre. Am richtigen Platz macht Grün jedenfalls Laune. So, wie die Präsentation von Deutschlands Museumsbaumeister Nummer eins (Wiederaufbau Neues Museum Berlin, Museum Folkwang Essen). Jetzt muss nur noch der Geldhahn etwas weiter aufgedreht werden – 58 Millionen Euro stellt der Freistaat bereit. Doch Ludwig Spänle, der zuständige Minister und Aufsichtsratsvorsitzende im Haus der Kunst saß bei der Vorstellung in der ersten Reihe und wirkte sehr amused.

Veröffentlicht am: 22.10.2016

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Hans
24.10.2016 12:14 Uhr

Ziegel tragen niemals Schuld, tatsächlich. Herr Chipperfield arbeitet mit Plattheiten, aber für viele ist Kritik an Stararchitekten tabu.... Bauten erinnern, und an was soll ein fein herausgeputztes Haus der Kunst (Haus der deutschen Kunst) erinnern? An gute alte Zeiten? Ich finde es scheußlich und eine Aufhübschung als schlechte Geschmackserziehung und geschichtslose Dummheit.

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