Herakut im Museum of Urban and Contemporary Art

Fausts Wahn und Sinn - die menschliche Gier nach Perfektion

von Olga Levina

Der Entstehungsprozess live im MUCA. Foto: MUCA Museum/Herakut

Im Rahmen des Münchner Faust-Festivals präsentiert das sogenannte MUCA eine Neuinterpretation von Goethes Faust durch das Graffiti-Künstler-Duo Herakut. Gezeigt werden unter dem Motto „Lasst uns Faust neu entdecken“ raumübergreifende Exponate: Wandmalereien, Skulpturen und Installationen von Mischwesen, die Goethes zeitlose Tragödie in acht Szenen darstellen.

Im Gegensatz zu Goethes Original werden Gretchen und ihr Kind gerettet. Herakut stellt Mutter und Kind Schutzgeister zur Seite, die böse Geister abwehren. Foto: MUCA Museum/Herakut

Seit 2004 arbeiten die Künstler Jasmin Siddiqui, alias Hera, und Falk Lehmann, alias Akut, gemeinsam an ihren gesellschaftskritischen Werken. Dabei versuchen sie eine Verbindung herzustellen zwischen der durch Akuts fotorealistische Elemente dargestellten Welt und der durch Heras expressive Linienführung versinnbildlichten surrealistischen Traumwelt. Veranschaulicht wird diese durch gedankenversunkene Figuren, die von ihren zum Leben erweckten Fantasien umgeben sind. Typisch sind für Herakuts Kunst außerdem ausdrucksstarke Augen, die mit auffällig schmalen Gliedmaßen kontrastieren.

Herakut lässt Dr. Faust in ihrer Inszenierung für seine Sünden büßen. Foto: MUCA Museum/Herakut

Im Rahmen der im MUCA gezeigten Ausstellung unter dem Titel „Wahnsinn“ bilden die Künstler einerseits Dr. Fausts Streben nach unendlichem Wissen ab, was bekanntermaßen im Wahn endet, und anderseits das damit verbundene Erlangen von wissenschaftlichen Erkenntnissen, das die Erfüllung seiner Existenz als Gelehrter bedeutet.

Die präsentierten Motive orientieren sich an Schlüsselszenen aus der Tragödie. Spannend sind aber vor allem die Neuinterpretationen, wie von Gretchens Schicksal und dem ihres Kindes: es fällt milder aus als in Goethes Werk. Ebenso wie das Finale: Herakut stellt es um einiges negativer dar als das Originalwerk.

Es ist eine trotz ihres eher geringen Umfangs insgesamt lohnenswerte Ausstellung, die neue und spannende Perspektiven zum Faust-Thema aufzeigt.

„Wahnsinn – Herakut Show“ bis zum 1.6.2018 im MUCA – Museum of Urban and Contemporary Art, Hotterstraße 12, 80331 München.

 

Veröffentlicht am: 27.05.2018

Über den Autor

Olga Levina

Redakteurin

Olga Levina ist seit 2012 beim Kulturvollzug.

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