"Die Verbindung zu Esbjörn wird immer bestehen"

von Michael Wüst

Jazzer Magnus Öström (Foto: Per Kristiansen)

Drei Jahre ist es her, dass sein Freund und Bandkollege Esbjörn Svensson bei einem Tauchunfall ums Leben kam. Drei Jahre, in denen Schlagzeuger Magnus Öström Zeit hatte, den Verlust und das Ende des "Esbjörn Svensson Trios" verarbeiten. Jetzt meldet er sich zurück: Mit einer neuen Band und einer neuen Platte. Im Interview mit dem Kulturvollzug spricht er über Jazz - und verrät, welches Rock-Festival er gerne bespielen würde.

Herr Öström, in „Prelude“ auf ihrer neuen CD „Thread of Life“, die morgen am Freitag, 29.04.2011 in der Unterfahrt vorgestellt wird, hört man so etwas wie entfernte Unterwasserglocken. Ist es richtig, dass Ihre Musik Teil einer Aufarbeitung des tragischen Todes von Esbjoern Svensson ist? (Esbjörn Svensson war Pianist und Gründer der Jazzlegende E.S.T. und verunglückte 2008 bei einem Tauchunfall, Anm. d. Red.)

Magnus Öström: In gewisser Weise war die Arbeit an der CD für mich eine Art Aufarbeitung, Therapie oder Katharsis. Die Verbindung (im Org. The Thread – der Faden) zu Esbjörn wird immer bestehen, komme was wolle.

Esbjörn war immer stolz darauf, mit E.S.T. auch auf Rock-Festivals zu spielen. In der Tat ist es ja oft so, dass junge Leute mit Begeisterung Musik hören, die andere Jazz nennen. Der Begriff Jazz selbst scheint manchmal geneigt, Barrieren aufzubauen, hinter denen sich Puristen verbergen. Verstehen Sie Ihre Musik als einen Beitrag, solche Mauern einzureißen?

Nein, es gibt keinen bewussten Gedanken daran, Mauern einzureißen. Ich mag es aber natürlich, wenn Leute aufgeschlossen sind, in verschiedene Richtung schauen können und die Dinge unter verschiedenen Blickwinkeln betrachten…Dann spielt das Alter keine Rolle.

Rock-Jazz-Fusion-Musiker der 70er Jahre wie Michael Urbaniak, Joe Zawinul, Alphonse Mouzon oder natürlich Pat Metheny, der auf „Thread of Life“ in „Ballad for E“ zu hören ist, haben bewiesen, dass der Jazz sich zu bestimmten Zeiten zu öffnen vermag. Esbjörn Svensson, Dan Berglund (Bassist von E.S.T., Anm. d. Red.) und Sie erscheinen wie Brückenbauer zwischen den verschiedenen Musikwelten. Auf welchem großen Festival in Deutschland würden sie gerne spielen?

Da gibt es ganze Menge. Als Jugendlicher habe ich manchmal, ich glaube es hieß „Rock am Ring“, im schwedischen Fernsehen gesehen. Das fände ich toll. Aber ich spiele genauso gerne auf Jazz-Festivals.

Thread of Life, Lebensfaden, Lebenslinie - Fäden und Knäuel. Im Slang der IT-Generation sind "Threads" die Kommentare eines Blogs – wie an einem Faden aufgereiht. Wird Musik virtueller? Einsamer?

In gewisser Weise hat die Musik am Leben von Menschen einen größeren Anteil denn je, aber andererseits ist der Aspekt des Merchandising stark geworden. Speziell, wenn man die junge, „Spotified“ Generation betrachtet. Musik hat da mehr den Wert, den anderen um sich herum zu signalisieren, wer man ist, anstatt nach dem eigenen Wert zu suchen. Aber ich denke schon, dass es genug Leute gibt, die Musik um ihrer selbst willen hören.

 

Nachtrag (6. Mai 2011). Die Besprechung des Konzerts finden Sie hier.

Veröffentlicht am: 28.04.2011

Über den Autor

Michael Wüst

Redakteur

Michael Wüst ist seit 2010 beim Kulturvollzug.

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