Ein Wegweiser durch München - Dichtergarten, ein Gevatter namens Harmlos und Kragenköpfe

von Achim Manthey

Der "Harmlos" (Foto: Achim Manthey)

Manches sieht man, anderes nur, wenn man darauf gestoßen wird. Das neue Buch "111 Orte in München die man gesehen haben muss" von Rüdiger Liedtke hilft da ein Stück weiter und lässt selbst Münchner und Münchenkenner zuweilen staunen.

Im Quadrat, das die Von-der-Tann-Straße, das Prinz-Carl-Palais, der Hofgarten und die Galeriestraße in München bilden, befindet sich ein knapp zwei Hektar kleiner Park, der "Dichtergarten". Kaum bekannt liegt er auf einem kleinen Hügel, den Resten einer ehmaligen Befestigungsanlage aus dem Dreißigjährigen Krieg. Ein Denkmal erinnert an Heinrich Heine, der in den zwanziger Jahren des 19. Jahrhunderts zwei Jahre in München lebte, ein anderes an den russischen Dichter und Diplomaten Fjodor Tjutschew. Gleich nebenan, am Ende der Galeriestraße, residiert der "Harmlos", eine vom Bildhauer Franz Jakob Schwanthaler geschaffene Jünglingsstatue, der den antiken griechischen Antinoos abbildet. Der Spitzname rührt von der Inschrift der Tafel, an die sich die Statue lehnt, her.

Kenntnisreich und mit vielen Details versehen führt das kleine Buch des Autors und Journalisten Rüdiger Liedtke durch die kleinen Besonderheiten und Skurrilitäten, die sich überall in der Stadt finden, aber auch hin zu Denkstätten, deren Existenz vielen nicht bekannt ist. Im einstigen Sitzungsaal 216 des Justizpalastes an der Prielmayerstraße, erinnert eine Dauerausstellung an die "Weiße Rose", derer auch die Denkstätte in der Ludwig-Maximilians-Universität gewidmet ist und davor auf dem Geschwister-Scholl-Platz die Bodenskulptur, in der Briefe und Flugblätter widergegeben werden. Auch das Aids-Memorial der Stadt am Sendlinger Tor-Platz kommt vor, und der Ort, an dem 1962 die Schwabinger Krawalle begannen. Die "Drückebergergasse" ist erklärt und die "Kragenknöpfe" sind beschrieben. In Trudering erinnert ein Gedenkstein an das Flugzeugunglück von 1958, bei der fast die vollständige Fußballmannschaft von Manchester United ums Leben kam.

Die eigenwillige Basilika St. Bonifaz (Foto: Achim Manthey)

Natürlich beschreibt der Autor auch viele bekannte Orte, den Bogenhausener Friedhof beispielsweise oder die Fürstengruft mit dem Grab Ludwig II., die Borstei oder das Monaco-Franze-Denkmal an der Münchner Freiheit. Anderes, wie Barbarasiedlung in Schwabing oder "An der Kreppe" in Haidhausen fehlt, was zu der erfreulichen Erkenntnis führt, dass es in München mehr als 111 Orte gibt, die man gesehen haben sollte. Zu allen Orten gibt es Informationen, die neu sind. Hier bleibt manches auch ungenau, was dem zur Verfügung stehenden Platz in dem Buch geschuldet ist.

Zu jedem Ort gibt es eine Text- und eine Fotoseite mit ergänzenden Informationen. Der Fototeil fällt gegenüber dem Text zuweilen stark ab. Hier hat sich der Autor selbst versucht und teilweise gründlich verhoben. Unscharfe, falsch belichtete und perspektivisch aus dem Ruder gelaufene Bilder sind darunter, was nicht sein muss. Das ist ärgerlich und mindert das Lesevergnügen. Aber wer mit dem Buch in der Hand durch die Stadt geht, sieht ja selber.

Viele Informationen, ein gescheites Bild kann sich jeder selbst machen. Die Unzulänglichkeiten können in einer weiteren Auflage, die diesem kleinen Buch zu wünschen ist, berücksichtigt werden.

Rüdiger Liedtke, 111 Orte in München die man gesehen haben muss, Emons Verlag, 12,90 Euro

Der Beitrag wurde am 17. November 2011, 0.34 Uhr geändert, da er einen Fehler bei der Angabe der Fremdbilder enthielt. Wir danken Rüdiger Liedtke für den Hinweis und bitte ihn und den Verlag zugleich für das Versehen um Entschuldigung.

Veröffentlicht am: 19.09.2011

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