Mimi von Minz in Aktion im Artlabor

"Mal, Mädchen, mal... die Farben meiner Pop-Psychose"

von Achim Manthey

Seltsame bunte Bilderwelt der Mimi von Minz. Foto: Joerg Koch

Die Ausstellung "HACA - Aktion Timpetee" zeigt Arbeiten der Künstlerin Mimi von Minz. Sie entstehen zum Teil im Lauf der Schau - wenn der Malerin gerade etwas einfällt. Und einen Kaffee gibt's auch.

Die knallbunten Farbexplosionen passieren im Kopf, hebeln das Denken aus, schießen durch das Rückenmark in Schulter, Arm und Hand, die sie ungefiltert, spontan auf die Leinwand transportieren. So in etwa muss man sich das vorstellen, wenn ein Gemälde dieses Energiebündels namens Mimi von Minz entsteht. Sie denkt, reflektiert und analysiert im Vorfeld, ein Stocken des Schaffensprozesses selbst stört und hindert. Dass sie dies auch bei schwierigen religiösen oder philosophischen Themen wie in der Reihe "New Improved God" über Jahre konservieren kann, erscheint bemerkenswert. Der Zyklus dieser "Jesusbilder", wie sie von ihr selbst genannt werden, setzt sich mit Schöpfung, Vergebung und Auferstehung auseinander. Sie arbeitet nun schon fast zehn Jahre daran und hatte die Reihe als Kirchenmalerei gedacht.

Transportable Pop-Art, hier im Studentendorf am Olympiagelände. Foto: Joerg Koch

Mimi von Minz, 1965 in Berlin-Charlottenburg geboren, erfindet seit mehr als zwanzig Jahren psychotisch-bunte Fantasiewelten, die sie als Neugestaltung der Werke einer Frida Kahlo oder auch eines Paul Hey sieht. Aber sie visualisiert auch melancholische und verträumt-spielerische Märchenwelten, wie sie Hans Christian Andersen und Lewis Carroll erdacht haben. Von Minz hat in London und Los Angeles gelebt und weltweit mit Künstlern zusammengearbeitet, zuletzt am IBB Art Institute des niederländischen Künstlers David Bade auf Curacao. Sie lebt in München - und scheint aufgrund ihrer zahlreichen und oft längeren Auslandsaufenthalte mit der Stadt zu fremdeln, sich in ihr unsicher, fast schutzlos zu fühlen.

"Reisen in den Kopf einer Spinnerin" seien die Bilder, war zu lesen. Das ist übertrieben und wohl auch einer von ihr selbst intensiv gepflegten Corporate Identity geschuldet. Ihre Geschichten spielen in irrealen Räumen wie in dem neuen Zyklus "Meerblinzer-World", in der Fabelwesen mit federnden Bauchzungen, Schnürstiefeln - sogenannten Pepper-Boots - und metallenen Sprintern als Hinterläufen vor anonymen urbanen Landschaften ihr (Un-)Wesen treiben. Mimi von Minz hatte sie schon 1998 entworfen und in ihr Werk eingeführt.

Hier wie in anderen Arbeiten bedient sich die Künstlerin beständig aus einem eigenen malerischen Baukasten. Versatzstücken gleich tauchen der geometrisch ausgeführte Baum, der maßlos traurige, schwarz umrahmte rote Mund oder das deprimiert den Betrachter fixierende Auge in den Gemälden immer wieder auf.

Die Malerin macht aus der Ausstellung eine kleine Performance. Sie arbeitet im Ausstellungsraum, neue Werke entstehen - und sie lässt sich liebend gern ablenken. "HACA" im Ausstellungstitel steht für "Have A Coffee With The Artist". Das bietet Gelegenheit, sich auf die Künstlerin und den Menschen Mimi von Minz und auf ihre Arbeit einzulassen. Und wenn sie gut drauf ist, offenbart sie sich womöglich, zeigt sich her, schält sich. Das kann dann zu einem an- und aufregenden Plauderstündchen werden.

In einem Gedicht hat Mimi von Minz ihre künstlerische Kraft und seltsamen Bilderwelten erklärt, das so endet: "Mal, Mädchen, mal... die Farben meiner Pop-Psychose." Ist wohl so.

Bis zum 31. August 2013 in der Artlabor Produzentengalerie, Buttermelcherstraße 5, Eingang Klenzestraße, in München, Di-So 12-20 Uhr, Eintritt frei.

Veröffentlicht am: 20.08.2013

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