Arbeiten von Bernardí Roig in München

Vom Sterben geträumter Bilder und von Lusthäusern zum Eindringen

von Achim Manthey

Bernardí Roig, Practices to suck the light (The figure), 2011, courtesy Galerie Klüser

Die Ausstellung "Las Imágenes Sonadas Mueren De Frio - Dreamt Images Die In The Cold" in der Galerie Klüser 2 führt in die geheimnisvoll kommunikative Körperwelt des spanischen Bildhauers und Multimedia-Künstlers Bernardí Roig.

Es ist ja so eine Sache, wenn sich der Kopf selbständig macht. Fünf nebeneinander plazierte Zeichnungen zeigen den deformierten Schädel eines Alten. Von links nach rechts verlaufend verblasst die immer gleiche Darstellung. "Mein Kopf könnte ja dort sein, wohin ich gar keine Zugänge mehr habe", heißt es darunter in zerrissenen Worten. Eine weiße Figur, die Jeans aufgeklappt, die Hände auf den Rücken gefesselt, versucht, eine Glühbirne abzulecken und lenkt ab von der Leere des Raumes. Ihr gegenüber zeigt ein Video das ständige Gefrieren und Abtauen eines Kopfes wie in einem ewigen Kreislauf.

Bernardí Roig, 1965 in Palma de Mallorca geboren, durchläuft zunächst eine Ausbilung zum Zeichner, bevor er sich der Bildhauerei, Fotografie und Videokunst zuwendet. Seine Arbeiten sind international mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet worden, darunter dem Official Award der XXI Alexandria Bienale 2002 und dem XXXVII Contemporary Art Prize der Princess Grace Foundation, Monaco, 2003. 2010 war bei der IVAM in Valencia unter dem Titel "Shadows must dance" seine bislang größte Ausstellung zu sehen, auf der Bienale die Venezia 2011 war er in der Gemeinschaftsausstellung "Glasstress" vertreten. Roig lebt und arbeitet in Madrid und Binissalem auf Mallorca.

Bernardí Roig, aus Frost (Der Film) 2007-2011, courtesy Galerie Klüser

Hinter einem schwarzen Vorhang verbirgt sich eine weitere Figur mit heruntergelassenen Hosen. Ein Fernseher steht in dem verhängten Raum, auf dem Ausschnitte des Films "Der Italiener" zu sehen sind, den der Schriftsteller Thomas Bernhard 1971 mit Ferry Radax drehte, einer surrealen bildlichen Umsetzung der literarischen Welt Bernhards. In ein Zwiegespräch eingebunden unterlegt Roig die Szenen mit Teilen seines Buches "Binissalem" in Form von Tagebuchnotizen. Ein "Lusthaus", verheißt eine Leuchtschrift, in dem eine dritte Figur in Weiß, durch ein Tuch fast gänzlich verhüllt, für den Besucher kaum wahrnehmbar bleibt, wenn er sich nicht traut, einzudringen, eins zu werden mit Figur und Raum und in Dialog mit ihnen zu treten.

Bernardí Roigs Werk, dessen Beeinflussung durch Literatur und Film nicht zu übersehen ist, hinterfragt kritisch die heutige, durch Massenmedien und Internet verbreitete Informations- und Bilderflut. Es ist auf der Suche nach "nonverbalen, nicht kodierten Kommunikationsformen", wie sich in dem Begleittext zur Ausstellung nachlesen lässt. Roig dazu: "Wenn Nachricht als Ausdruck der Sprache aufgefasst werden kann, so ist die Pantomime, der Ausdruck des Körpers, dessen physisches Äquivalent".

Wo Worte versagen, kommuniziert der Körper die auf ihren Kern reduzierten Erfahrungen, deren geträumte Bilder in der Kälte sonst stürben. Dieser Ansatz erschließt sich in der Ausstellung allerdings nicht vollends. Gerade im Eingangsraum will sich das narrative Erleben nicht einstellen.  Gleichwohl: die Installationen, Skulpturen und Zeichnungen inspirieren, verstören auch. Sie sprechen auf eine neue, ungewöhnliche Weise an.

Bis zum 28. April 2012 in der Galerie Klüser 2, Türkenstraße 23 in München, Di-Fr. 14-18 Uhr, Sa 11-14 Uhr, freier Eintritt.

 

Veröffentlicht am: 10.03.2012

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