Gastrokritik zum Lokal Max Pett: Kulinarischer Kirchentag

von Michael Grill

Der Veganer hat's nicht leicht im Leben, ständig muss er erklären, dass er kein Spielverderber ist und in der Welt ohne Fleisch und Milch auch mal gelacht wird. Vielleicht liegt das daran, dass der Anteil der Niemals-Lacher unter ihnen tatsächlich besonders hoch ist? Wie auch immer, im veganen Max Pett geht man sogar noch einen Schritt weiter: Kein Alkohol, nicht mal im Wein, denn schließlich war ja schon Namenspatron Max Pettenkofer, der Gesundheits-Professor des 19. Jahrhunderts, Münchner Vorsitzender des „Vereins gegen den Missbrauch geistiger Getränke“. Er starb, wie sogar in der Speisekarte masochistisch vermerkt wird, 1901 durch Suizid. Noch Fragen?

Eine echte Dschungelprüfung also, auf die wir uns da einlassen, aber wir wollen vorurteilsfrei sein, zumindest so gut es geht. Ein sehr freundlicher und auffallend gut gelaunter Service leitet uns zu grasgrün gepolsterten Stühlen, die sich als dauerhaft bequem herausstellen werden. Das stimmig eingerichtete Lokal ist gut gefüllt, überwiegend mit Frauen, diese sind ausschließlich ungeschminkt und naturlockig. Zum kulinarischen Kirchentag läuft, selbstverständlich, sanfte Reggaemusik.

Die Karte hat einen starken asiatischen Einschlag und ist mit nur vier Hauptspeisen bei den Standards radikal übersichtlich. Schon der Küchengruß mit roter Beete, Gurke und Karotte schließt mit köstlicher Ingwer-Marinade eine eigene Geschmackswelt auf. Die milde Beize unterstreicht auch beim großen Vorspeisenteller aus der Vitrine (9.50 Euro) wunderbar den Eigengeschmack der Zutaten (scharfe Auberginen, Zucchini, Paprika, Pilze, Mangold). Beim Wintersalat mit gerösteten Nüssen, Sojahackbällchen und lustigen Spaghetti-Karotten (11,80) bildet das leichte (Soja-)Joghurt-Dressing eine perfekte Basis; er ist herrlich temperiert – ein echtes Wohlfühlerlebnis.

Der Ayurveda-Teller mit indischem Papadam-Brot und Samosa-Taschen (19.50) präsentiert sich mit Koriander-Dipp als schön ausgewogene Verbindung von süß und leicht scharf. Die Mangold-Rouladen (13.80) bestechen durch eine fruchtig-cremige und zitronige Pilz-Nuss-Tofu-Füllung und witzige Kürbis-Chips auf der Kartoffel-Beilage.

Die Speisen sind riesige Ballaststoff-Bomben und machen unglaublich satt – nur große Mägen schaffen es noch bis zum Nachtisch: Der Pana Coco (4.50) ist leider ein recht neutraler Pudding, die Mousse (5.50) hingegen der pure, schokoladige Wahnsinn.

So weit, so schön, so weltenrettend. Was allerdings gar nicht geht, sind die sich „Wein“ nennenden Flüssigkeiten. Alkoholfrei hin oder her, ob Rosé, Merlot oder Riesling mit (laut Karte) „frischem Rieslinggeschmack“ (3.80 bis 4.20): Da möchte man lieber in Sucht und Verderben enden, als diese muffigen Kastraten im Glas noch einmal trinken zu müssen. Und der Pfefferminz-Tee (2.50) ist nicht mal Bio (wie auch sonst Zutaten nicht durchgängig als biologisch gekennzeichnet sind). Wäre es nicht sinnvoller, durchgängig Bio-Produkte anzubieten, als einem vegane Freuden durch Ideologie zu vergällen? Davon abgesehen, kann man im Max Pett durchaus seinen Spaß haben.

Pettenkoferstraße 8, Mo – Sa 10 bis 23 Uhr (geschlossen am 6.1.), Reservierungen unter Telefon 55869119, Infos im Web: www.max-pett.de

Veröffentlicht am: 05.01.2011

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