Noch fünf Jahre Kultfabrik: Die Frist für das Kultur- und Partyareal wird abermals verlängert – einige Teile sollen sogar für immer bleiben
Schon oft wurde gebangt ums große Vergnügungsviertel hinter dem Ostbahnhof: Seit 1996 die alte Fabrik zur Kartoffelverarbeitung aufgegeben und mit dem Kunstpark Ost (heute Kultfabrik) ein Gelände für Kultur, Veranstaltungen und Remmidemmi eingerichtet worden war, gab es immer nur Genehmigungen auf Zeit. Inzwischen hält das Provisorium schon 14 Jahre - doch zum 31. Dezember enden die aktuellen Verträge. Jetzt ist klar: In der Kultfabrik gehen mit dem Jahreswechsel weder die Diskokugeln noch die Gitarrenverstärker aus.

Da ist definitiv Kultur drin: Das Ateliergebäude mit, unter anderem, der White Box. Foto: Achim Manthey
Wie das Planungsreferat auf Anfrage bestätigte, kann der Party-Betrieb wie auch die Kulturnutzung samt Ateliers, Galerien und Konzerthallen erst mal weitergehen. Mehr noch: Die Kultfabrik wird so gut wie sicher bis 2015 bestehen. Und: Manche Teile des Amüsierbetriebs sollen sogar für immer bleiben. Auslöser für diese Perspektiven ist die Idee von Werner Eckart, Geschäftsführer der Eigentümer-Firma Ottec, den eigentlich längst bestehenden Bebauungsplan für das Gelände noch einmal zu überdenken und neu anzusetzen.
Das Kultfabrik-Gelände ist Teil eines großen Entwicklungsareals der Stadtplanung namens „Rost“ (Rund um den Ostbahnhof). Der neue Stadtteil, der

Die Sensation: Bald trennt Wolfgang Nöth keine Mauer mehr vom Wolfgang-Nöth-Bogen. Foto: Achim Manthey
dort entstehen soll, könnte ein spannendes Experiment werden, das es in München so noch nicht gegeben hat: Der Versuch, Kultur und Nachtgastronomie in ein neues Wohnviertel von vorn herein zu integrieren, so dass ein besonders lebendiger Stadtteil entsteht. Deshalb wird nun überlegt, Teile der Kultfabrik auch langfristig stehen zu lassen. Damit dies umgesetzt werden kann ist ein neuer Bebauungsplan notwendig, und zu diesem braucht es die sogenannte Grundzustimmung aller Grundstückseigentümer, so Katja Strohhäker vom Planungsreferat. Die Stadt werde der Verlängerung der jetzigen Kultfabrik bis 2015 zustimmen, sobald alle Unterschriften vorliegen. Grundsätzlich begrüße die Stadtplanung die neue Ausrichtung des Projekts: „Die Verträge sind schon alle vorbereitet.“
Werner Eckart betont, „dass in unserem Gelände sehr viel mehr steckt als nur Mainstream-Party-Sause“. Momentan überwögen sogar die kulturell geförderten Flächen den Anteil der Nachtgastronomie. Damit die Kultur weiter nach vorne komme, werde sogar die seit März geschlossene Metropolis-Halle umgebaut und wieder instand gesetzt. So werde für Live-Acts „eine Art kleinerer Bruder der Tonhalle“ entstehen, mit der die Kultfabrik „auch musikalisch wieder Zeichen setzen will“.
Wie außerdem durchsickerte, wird es hinter dem Ostbahnhof in den nächsten Monaten eine Art historische Wiedervereinigung geben. Die Mauer zwischen der Kultfabrik und dem Optimol-Gelände des früheren Kunstpark-Ost-Chefs Wolfgang Nöth werde eingerissen. Dabei war man sich jahrelang spinnefeind gewesen. München – einig Partyland, das sind wahrlich revolutionäre Entwicklungen.