Bilder mit Weltweite

Gesehen im Literaturhaus bei der Verleihung des Ernst-Hoferichter-Preises 2026 an den Illustrator Quint Buchholz und die Filmemacherin Narges Kalhor. Buchholz (auf dem Foto ganz rechts) rahmte seine Rede mit seinen Werken, was deutlich machte, wie gut auch Bilder Geschichten erzählen können – insofern lagen Zeichner und Filmemacherin auf einer Linie bei einem Preis, der meistens an Autoren und Schreiber vergeben wird. Das Schreiben und Gestalten von Büchern ist womöglich sogar eine bedrohte Kunst. Buchholz: „Mir graust davor, das der KI zu überlassen.“ Die vor 14 Jahren aus Iran nach München gekommene Kalhor musste es in ihrem Statement noch ernster angehen. Zwar wolle sie niemandem die Feierlaune verderben, aber es sei eine Pflicht in diesen Tagen an das Elend der Menschen in Iran zu erinnern, die sich gegen das verbrecherische Mullah-Regime aufzulehnen versuchen, und die in diesen Tagen mit unvorstellbarer Brutalität niedergemetzelt werden (ohne dass die hiesige Kulturszene bislang auch nur ansatzweise die sonst reflexartig ausgesendeten „starken Zeichen“ des Protestes oder der Solidarität von sich hätte vernehmen lassen). Der erfreulich locker-souveräne Immer-noch-neu-Kulturreferent Marek Wiechers stellte den Preis vor und Marja Burchard, die das alles vortrefflich mit dem Vibraphon begleitete, als quasi „älteste Band Münchens“, da sie ja von ihrem verstorbenen Vater Christian die Chefrolle der 1969 gegründeten Gruppe „Embryo“ übernommen hat. Die mit jeweils 5000 Euro dotierten Preise werden seit 1975 jährlich an freischaffende Münchner Künstler vergeben, die „Originalität und Weltoffenheit mit Humor“ verbinden (das ursprünglich in der Formulierung vorhandene Wort "Weltweite" hat die Stadt offenbar zur "Weltoffenheit" glatt gebürstet). Der Preis wurde von Franzi Hoferichter, der Witwe des Münchner Schriftstellers, gestiftet. (Hier findet sich die Erklärung der Stadt zum Preis: https://ru.muenchen.de/2025/243/Ernst-Hoferichter-Preise-2026-verliehen-122063) gr. / Foto: Michael Grill

