Find’ mich doch - Elias Wessel in der Amalienstraße 14

Gesehen kurz vor der Eröffnung einer spannenden Ausstellung im Digital Art Space an der Amalienstraße 14 in Schwabing: Der abwechselnd in New York und Deutschland lebende Künstler Elias Wessel legt letzte Hand an die Platzierung seiner Werke, während die im Nebenraum verborgene Musikerin Natalia Kiës noch an der Klanginstallation „Systems At Play“ feilt. Das Ganze heißt „NFM (News Finds Me), was sich auf den (Irr-)Glauben gerade jüngerer Generationen bezieht, wonach man sich wichtige Informationen nicht mehr aktiv aneignet oder nach ihnen sucht, sondern nur noch darauf wartet, dass einem diese quasi von alleine zulaufen - mit allen Konsequenzen für Qualität und Wahrheitsgehalt. Wessels Bilder sind konzeptgebunden und transportieren (dennoch?) feinste Ästhetik, sie sind erst Blickfang und geben dann ihren oft voluminösen Inhalt Stück für Stück frei. Seine Werke entstammen meist dem Alltagsgebrauch digitaler Technik und ihrer Gerätschaften. Für einiges Aufsehen sorgten vor einiger Zeit seine großformatigen Bearbeitungen von sonst kaum sichtbaren Fingerspuren auf den Screens von Mobiltelefonen. Er ist ein Forscher auf der Suche nach den unbekannten, unentdeckten und oft auch unheimlichen digitalen Kontinenten, die sich hinter den scheinbar so smarten Benutzeroberflächen verbergen. „NFM“ zeigt vor allem ausgewählte Arbeiten aus „It’s Complicated“ (2019–2022). Als Basis dienten hier die Aufzeichnungen oder Langzeitbelichtungen von mehr oder weniger zufälligen Nutzerbewegungen in Sozialen Netzwerken. Abfolgen von Verläufen kondensieren zu Wort- und Bildfetzen, man könnte auch sagen: Es sind Konglomerate algorithmischer Bespielung von uns selbst. Ein seltener und ungewohnter Blick auf das, was uns immer mehr und mehr tagtäglich einlullt. Er ist auf eine beunruhigende Art und Weise erhellend. Bei der mittlerweile erfolgten Vernissage las Thomas McGowan, Mitglied des Opernstudios des Gärtnerplatztheaters, Passagen aus Wessels Publikation „Textfetzen“. Geöffnet nach Vereinbarung bis zum 8. April 2026 über Kuratorin Karin Wimmer (Telefon 089 50 0 0 69 40 oder 0176 24 75 66 01 sowie mail@karinwimmer.com) gr./Foto: Michael Grill

