Es gibt nur ein Derblecken: Hofbräu triumphiert mit Django Asül – hier die komplette Rede im Wortlaut

von Michael Grill

Er weiß, wer der wichtigste Mann in Bayern ist. Foto: BBMC T. Ranzinger

Es war nicht sein erster Aufritt beim Hofbräu, aber sein bislang bester. Der niederbayerische Kabarettist Django Asül definierte mit seiner Rede zum Maibockanstich das Derblecken neu, indem er diese Kunst auf ihren Kern reduzierte: Kein formaler Firlefanz, dafür aktuell, politisch und genau so sehr hart im Ton, dass das anschließende gemeinsame Anstoßen nicht nur möglich, sondern nötig ist. Was nun endgültig nicht mehr zu übersehen ist: Der Maibock läuft dem Nockherberg den Rang ab.

Auch dass mit Horst Seehofer zum ersten Mal seit 20 Jahren ein amtierender bayerischer Ministerpräsident (in seinem Gefolge fast das gesamte Kabinett) an der Veranstaltung zum Lobpreis eines malzigen Getränks mit 7,2 Prozent Alkohol und 16 Prozent Stammwürze teilnahm, unterstreicht den Paradigmenwechsel bei den großen Münchner Bier-Bühnen. Bislang war es der Salvator-Anstich der Paulaner Brauerei auf dem Nockherberg, der alljährlich zum wichtigsten Schaulaufen der politischen Klasse in der Starkbierzeit wurde.

Doch spätestens seit man nach dem Derblecken von 2007 den damaligen Paulaner-Redner Django Asül hinauskomplimentierte, bröckelt der Nockherberg: Man sucht und sucht die alte Größe in ständig neuen Besetzungen – und findet sie nicht mehr. Was dem Nockherberg dabei besonders schadet: Die ständigen Debatten, was man dort sagen dürfe und was nicht, ob Texte vorher gegengelesen werden müssen oder nicht, ob nun das Singspiel wichtiger sei als die Rede oder umgekehrt, wie man nun eine „moderne“ Form finde oder gleich neu erfinde... Dagegen steht eine liberale Gelassenheit beim staatlichen Hofbräu, die man dort vor Jahren nicht unbedingt vermutet hätte: Man hat einen Redner, dem man vertraut – und dann lässt man ihn einfach machen. (Es ist im Grunde wie fast immer, wenn gute Texte entstehen sollen.)

Nach dem Anzapfen. Foto: BBMC Tobias Ranzinger

Einmal hatte Asül beim Paulaner rangedurft, woraufhin man dort weiche Knie bekam und wieder alles über den Haufen warf. Zum vierten Mal war er nun der Derblecker im Hofbräuhaus – und ist zur Institution geworden.

Finanzminister Georg Fahrenschon als Gastgeber war jedenfalls vorsorglich schon so inspiriert, dass er eine in Kreisen der Staatsregierung bemerkenswerte Pointe wagte: „Jeder weiß, dass unser Ministerpräsident wie kaum ein anderer für Kontinuität steht.“

Und er war sich offenkundig bewusst, was der Hofbräu an seinem Asül hat, als er den Kabarettisten mit den Worten ankündigte: „Jetzt exklusiv wie immer – und nur beim Maibock!“

Asül begann in freier Anrede: „Ich bin nervös wie nie zuvor. Ich habe gehört, dass heute der mächtigste Mann Bayerns hierher kommt. Herzlich Willkommen, Uli Hoeneß!“ So einfach geht ein politischer Witz. Als Asül endete, war der Applaus so groß, dass es vereinzelt stehende Ovationen gab, auch das ein Novum bei den großen Anzapfritualen. Es fehlte nicht viel, und der gesamte Saal hätte sich erhoben wie sonst nur im Theater. Aber man braucht ja auch noch Luft nach oben für nächstes Jahr.

 

Im Folgenden dokumentiert der Kulturvollzug die komplette Rede von Django Asül beim Maibockanstich im Hofbräuhaus München 2011.

 

Grüß Gott, meine Damen und Herren. Maibockanstich 2011. Ich sehe viele Stammgäste. Nur einer, der die letzten Jahre auch immer freudig im Publikum saß, ist heute leider nicht da. Der von mir sehr geschätzte Kollege Wolfgang Krebs.

Aber er hatte mir schon vor Monaten gesagt: Ich verspreche Dir, ich schicke Dir den Mann, der mich am besten imitieren und parodieren kann. Und der Wolfgang Krebs hat Wort gehalten. Das beste Krebs-Double aller Zeiten ist heute hier. Herzlich willkommen, Horst Seehofer.

Überhaupt ist festzuhalten: Nie war das bayerische Kabinett beim Maibock so geschlossen anwesend wie heute. Und das ist auch gut so.

Deutschland blickt auf Bayern als Hort der Gemütlichkeit und der Sicherheit. Denn ganz Deutschland sieht sie am Horizont kommen, die apokalyptischen Reiter, die das Land in Grund und Boden reiten wollen.

Vorn dran ein Pony namens Angela, das geritten wird von Wankelmut und Atomphantasie. Dahinter ein Muhli namens Guido, geritten von spätrheinischer Dekadenz und Selbstüberschätzung. Damit nicht genug.

Es folgen zwei lahme Ackergäule namens Sigmar und Andrea, geritten von fataler Bedeutungslosigkeit und geplagt von chronischer Sarrazinitis.

Sie werden gerade locker überholt von einem Trittin namens Jürgen. Er trägt stolz Renate, Claudia und Cem auf seinem knöchernen Rücken. Und wird von ihnen gelobt, weil sein Methangas-Ausstoß weit niedriger ist als das eines Pferdes. In Sichtweite ist noch ein Porsche, geschoben von Gesine Lötzsch. Am Steuer sitzt Klaus Ernst und skandiert: Auch Bayern können Linke sein! Auch Linke können Porsche fahren!

Ein infernales Szenario tut sich auf. Deutschland ist regierungsfreie Zone. Angela Merkel betreibt aktiv die Kernschmelze innerhalb der Union. Und Westerwelle hat die FDP endgültig atomisiert. Rettung kann es nur aus Bayern geben. Aber Bayern muss auch einsehen: Verlässliche Verbündete gibt es nicht mehr. Das wissen wir seit den Landtagswahlen im März.

Denn auch Baden-Württemberg ist nicht mehr das, was es mal war. Die CDU dort sorgte zunächst für Irritation, dann für Frustration und bekam als Quittung dafür die Erosion. Leidtragender ist natürlich Mappus. Und der kann eigentlich gar nichts dafür. Der wusste am Schluss gar nimmer, was er unter die Erde bringen soll: Den Bahnhof, die AKWs oder die CDU.

Der Mappus kam ja rein zufällig zu seinem Amt. Quasi wie Angela Merkel zur eigenen Meinung. Nur weil sich der Öttinger dachte: Ich gehe nach Brüssel, da gibt?s einen billigen Englischkurs. Mit seiner offenen, kommunikativen Art kam Mappus gut an bei seinen Landsleuten. Die haben immer gesagt: Schau Dir den Mappus an, wie der junge Filbinger.

Aber kurz vor der Wahl hat ihm dann der Brüderle die Show gestohlen.

Mit einem grandiosen Auftritt beim BDI. Brüderle gilt ja nicht umsonst als der Woody Allen der FDP. Beim BDI hat der Brüderle nämlich gesagt:

Atomausstieg ist nicht so ernst gemeint. Die Merkel hat das nur aus Jux gesagt.

Und dann passierte das, womit Brüderle nicht gerechnet hat: Das, was er in der Öffentlichkeit gesagt hat, kam an die Öffentlichkeit. Der Schnappauf als BDI-Geschäftsführer hat eh versucht zu retten, was zu retten ist. Erst hieß es: Das hat der Brüderle so nicht gemeint. Dann hieß es: Er hat es schon so gemeint, aber ganz anders gesagt. Am Schluss hieß es: Der Protokollführer ist Legastheniker.

Auf einmal waren alle auf den Schnappauf sauer. Und der Schnappauf war ja froh, dass er wieder mal in den Medien war. Der hat sich gedacht:

Mensch, damals der Bruno, jetzt der Brüderle. Jetzt hab ich schon zwei Bären erlegt.

Aber den Schnappauf hats dann auch erwischt. Weil rauskam, wo er seinen Doktortitel her hat.

Diese beiden Landtagswahlen gingen den Bach runter, weil weder CDU noch FDP die Zeichen der Zeit erkannt hatten. Mit einem Atommoratorium wollte man Zeit gewinnen. Die Berater der Frau Merkel haben ihr

gesagt: deutsche Atomkraftwerke  sind nur unsicher, wenn Landtagswahlen anstehen.

Und weil Frau Merkel nichts so sehr hasst wie Zaudern und Zögern, hat sie sofort verkündet: Wir müssen weg vom Atomstrom und wieder hin zum Strom aus der Steckdose. Und sie hat gesagt: Eigentlich hat sie nie gesagt, dass deutsche AKWs sicher sind. Sie hat nur gesagt: Sie ist sicher, dass das AKWs sind.

Außerdem hätten ihr angeblich die Atommanager eingeredet, dass Deutschland Atomkraftwerke brauchen würde. Denn wie wolle man die Windräder antreiben, wenn mal kein Wind geht.

Solche taktischen Stümpereien könnten der CSU natürlich nie passieren.

Denn wenn es in Deutschland eine echte Anti-Atompartei gibt, ist es natürlich die CSU. Da gibt einer den Takt vor. Und zwar unser Umweltverteidigungsminister Markus Söder.

Markus, wir wissen Deine Anwesenheit sehr zu schätzen. So ganz nebenbei haben wir auch ein kleines Dankeschön für Dich: Der gesamte Strom heute kommt aus Temelin.

Mittlerweile bist sogar Mitglied beim Bund Naturschutz. Früher hieß es

immer: Bevor Söder zum BN geht, wird eher Uli Hoeneß Schnupftabakberater von Christoph Daum.

Söder ist gereift in den letzten Jahren. Er ist auch metaphysisch gewachsen. Er weiß jetzt: Es gibt ein Leben nach Stoiber. Und ein Leben nach dem Atom.

Dem Söder kann ja der Atomausstieg gar nicht mehr schnell genug gehen.

Richtig euphorisch bist. Du wirst ja sogar konkret mit dem Ausstiegsdatum. Da hört man allerhand von Dir in den letzten Tagen.

2020, 2022, in 22 Jahren, um 20.22Uhr. Hauptsache weg mit dem Drecksatomglump. Am liebsten würdest Du die Brennstäbe eigenhändig in die Biotonne schmeissen. Mit den Latex-Handschuhen von der Frau Pauli.

Aber die bayrische FDP macht Dir das Leben schwer. Der Zeil fragt sich nur noch, ob Du noch alle Tassen im Reaktor hast. Für die FDP sind Atomstrom und Bayern untrennbar. Das gehört zusammen wie Westerwelle und Enthaltung im UN-Sicherheitsrat.

Aber dem Söder ist das wurscht. Söder geht unaufhaltsam seinen Weg.

Viele im Kabinett sagen: Hoffentlich dreht er nicht um.

Neben CSU wirken die Grünen in Bayern wie wahre Atomfetischisten. Drum flirtet Seehofer schon bissl mit Frau Bause, damit die Grünen die Zeichen der Zeit erkennen. Bause scheint nicht abgeneigt.

Bisher war sie ja immer nur Kommunikation mit der bayerischen SPD gewohnt. Nihilismus auf hohem Niveau. Und auf einmal redet einer mit ihr, der auch was zu sagen hat.

Seehofer sieht Bause und denkt sich: Grün und charmant ist ja ganz was Neues.

Und da wurde der Dobrindt eifersüchtig. Er hat gesagt:

Es wäre ein historischer Fehler, wenn die CSU sich den Grünen zuwenden würde. Die Grünen sind der politische Arm von Krawallmachern!

Da hat sich der Seehofer gedacht: Dann passen die ja prima zu mir.

Aber der Dobrindt hat sich dann ganz was Besonderes einfallen lassen:

Einen Dokumentarfilm über die Grünen.

Dobrindt und Film. Da prallen nicht zwei Welten, sondern Galaxien aufeinander. Strichmantschkerl hat er gemacht. Dobrindt, der Leni Riefenstahl der CSU. Der Film kam sehr gut an. Seitdem legen die bayrischen Grünen von Woche zu Woche zu. Eines muss man dem Dobrindt lassen: Keiner schafft es so elegant wie er, sich intellektuell permanent über seinem Niveau zu bewegen.

Frau Bause und Herr Runge sollten eigentlich sich mal beim Dobrindt bedanken.

Den Runge kann man sich übrigens merken. Ist der kommende Star bei den bayrischen Grünen. Manche nennen ihn jetzt schon Claudio Roth.

Eloquent wie Cem Özdemir und maskulin wie Renate Künast.

Für die, die es noch nicht wissen: Der Bernd Runge ist der neue Fraktionschef der Grünen. Seine Besonderheit: er kommt ohne Mobiltelefon aus. Er muss also eine sehr lange Leitung haben. Da wird sich sein Kollege von der CSU, der Georg Schmidt, jetzt denken:

Komisch, ich hab schon so lange ein Handy. Aber meine Leitung wird immer länger.

Auch wenn die Grünen mit der Zeit immer zufriedener werden mit der

CSU: Man darf es mit Anti-Atom-Haltung nicht übertreiben. Der große Landesbankphilosoph Erwin Huber: Die Wähler wollen keine grün lackierte CSU. Lack ist wichtig. Aber was ist Lack eigentlich? Diese Antwort gab der Huber Erwin vor einigen Jahren selber. Dieser Spruch vom Erwin ist schon legendär: Luck is when opportunity meets preparation. Auf gut deutsch: Wenn Du Glück hast, ist die Opposition präpotent.

Und dieses Glück hat die CSU natürlich. Die Opposition mag vielleicht harmlos sein. Aber das spricht auch für die Stärke der Opposition in Krisenzeiten. Da lässt man die Regierung in Ruhe arbeiten.

Das Synonym für Passivität schlechthin sind die Freien Wähler.

Aiwanger, Du kommst mir im Landtag a bissl vor wie der Manfred Heubisch im Wissenschaftsministerium. Du ist zwar da. Aber das Warum will sich partout niemandem erschließen.

Wie wichtig erst der Heubisch ist, merkt man erst, wenn man mal Heubisch bei Wikipedia eingibt. Da heißt es nämlich: Heubisch ist ein Ortsteil der im südthüringischen Landkreis Sonneberg gelegenen Gemeinde Föritz.

Ach so, Aiwanger. Wir sind schon wieder durch mit dem Thema Freie Wähler. Mehr gibt?s ned.

Wenn ich jetzt noch einen Satz über Euch bringe, ist es schon mehr als die Summe Eurer konstruktiven Beiträge im Landtag.

Ansonsten bleibt nur zu sagen: Liebe Freien Wähler, es kann gut sein, dass 2013 Schluss ist für Euch im Landtag. Gewöhnt Euch also langsam dran, dass Ihr dann eventuell wieder was arbeiten müsst.

Aber, Aiwanger, Du hast schon Deinen Wert. Jede Rede von Dir ist niederbayrisches Kulturgut. Drum Tipp von mir von Niederbayer zu

Niederbayer: Rede, wie Dir der Schnabel gewachsen ist. Und versuche bitte kein Hochdeutsch. Das klingt bei Dir immer nur wie das Englisch vom Huber Erwin.

Und noch was, Aiwanger: Ich gebe zu, ich wollte mich wirklich über Dich informieren. Aber Du machst es einem wirklich nicht leicht. Ich habe Deine Website gesucht. Ich hab ja gar nicht gewusst, ob Du eine Website hast. Du bist ja ein analoger Typ. Also, ich hab brav eingegeben auf google: special effects Niederbayern Aborigines.

Kam gleich www.hubert-aiwanger.de. Ich klick drauf. Und was kommt da als erster Satz? Ich begrüße Sie herzlich auf meiner Internetpräsenz.

Aiwanger, was soll denn das? Auf meiner Internetpräsenz! Dann schreib doch gleich: Lasstsma mei Ruah, es Deppen!

Weil ich grad den Heubisch erwähnt hab: Wissen Sie, was mir aufgefallen ist? Man verwechselt den Manfred Heubisch oft mit dem Marcel Huber. Ist bissl seltsam. Weil im Gegensatz zum Heubisch hat ja der Huber nicht nur ein Amt, sondern auch eine Aufgabe. Als Leiter der Staatskanzlei ist der Huber ja so was wie ein Aufpasser für den Seehofer. Ist der ideale Job für ihn. Der Marcel Huber hat sich jahrzehntelang intensiv auf Seehofer vorbereitet.

Das ist auch verbürgt. Staatsexamen für Tiermedizin. Dann Tätigkeit am Lehrstuhl für Tierzucht. Promovierte mit dem Thema Untersuchungen über Klauenparameter an Jungbullen. Und dann als Krönung ab 1997 Leiter der Abteilung Schweinegesundheitsdienst. Da kommen dann nur noch 2 Jobs in

Frage: Entweder rechte Hand des Ministerpräsidenten. Oder linke Hand vom Landesbankvorstand. Auf alle Fälle irgendwas Kriminelles.

Zumindest wenn es nach der SPD geht. Staatskanzlei und Landesbank sind für die bayrischen Sozialdemokraten immer so eine Art steuersubventionierte Mafia.

SPD wirft ja heute noch der Staatskanzlei vor, sie hätte CSU-Umfragen auf Kosten der Steuerzahler machen. Das ist nur plumper Populismus.

Natürlich müssen diese Umfragen sein. Liebe SPDler, woher soll Seehofer sonst wissen, was er will? Und eine Umfrage, die man selber bezahlt, ist per se subjektiv. Aber die SPD will das einfach nicht einsehen.

Der Rinderspacher forderte mehrmals den Rücktritt von Staatskanzleichef Siegfried Schneider. "Es geht um wissentlichen systematischen Steuermissbrauch", sagte er. Schneider habe die Öffentlichkeit mehrfach belogen, "das reicht für mindestens drei Rücktritte".

Außerdem müsse die CSU die mehr als eine halbe Million Euro in die Staatskasse zurückzahlen, die die Umfragen gekostet haben. Irgendwer hat dem Rinderspacher wohl Red Bull in die Apfelschorle reingetan.

Allein der Vorwurf, Schneider würde etwas wissentlich machen, erfüllt schon fast den Tatbestand der Verleumdung.

Unterstützung bekam die SPD in der Angelegenheit von den Grünen. "Wir fordern Sie auf, sich wieder auf den Boden der Verfassung zu begeben", sagte die Margarete Bause. Frau Bause, schauen Sie sich mal die bayerische SPD an. Dann wissen Sie, wo es hinführt, wenn man auf dem Boden der Verfassung bleibt.

Richtig sauer war die bayrische SPD kürzlich, als Seehofer den Baden-Württembergern die Kündigung geschickt hat. Seehofer kündigt Ba-Wü.

Kommentar von Rinderspacher: Das ist Politik auf höchster Testosteron-Ebene. Da spricht der Fachmann. Bayrische SPD strotzt nur so vor Testosteron. Drum nimmt sie schon seit 60 Jahren Depressiva.

Liebe SPD, Ihr habt einen Landesvorsitzenden. Schön und gut. Aber wie wäre es mal mit einem Chef? Der Pronold strengt sich ja wirklich an.

Aber er wirkt trotzdem immer wie einer, der im Planschbecken das Tiefseetauchen lernen will.

Pronold behauptet gerne, die SPD sei eine treibende Kraft. Aber wohin sie treibt, bleibt ein Geheimnis. Pech der Bayern-SPD: Sie hat halt keinen Sarrazin. Weil mit Sarrazin hält sich die Bundes-SPD über Wasser.

Pronold gestern: Sarrazin schizophren und nicht ganz dicht. Florian, was glaubst Du, warum der Sarrazin in der SPD ist?

Drum am Gründonnerstag entschieden: Sarrazin wird nicht rausgeworfen.

Beim Thema Sarrazin lernt man, wie die SPD Ostern feiert: Erst zelebriert man monatelang einen Eiertanz. Und dann wird der Parteichef enteiert.

Und jetzt kommt die Migranten-Quote in der SPD. Konsequent zu Ende gedacht: Wer in der Gesellschaft gescheitert ist, muss auch die Chance kriegen, parteipolitisch zu scheitern. Also, da freue ich mich drauf:

In Bayern 15 Prozent Ausländer in den Parteigremien. Ausländer in leitender Funktion! Da fragt ihr mal den Hoeneß, ob so was in Bayern funktioniert.

Insgeheim ist die SPD natürlich froh, dass sie den Sarrazin hat.

Marketingartikel Nummer eins. Was Bohlen für RTL, ist Sarrazin für die SPD.

Die bayrische SPD aber darf sich noch gewaltig strecken bis zur nächsten Landtagswahl. Über 20 Prozent will der Pronold anvisieren.

Zumindest unter den SPD-Wählern. Die bayrische SPD hat ein Gespür für den Wähler wie die 60er Löwen für Finanzen.

Damals, 2009 wurde ein großer Stabwechsel an SPD-Spitze angekündigt.

Aus heutiger Sicht muss an feststellen: Es war kein Stab, sondern nur ein Salzstangerl.

Einen Sarrazin hat die Union nicht. Da waren CDU und CSU schon auch bissl neidisch auf die Sozis. Frau Merkel war ja im Herbst völlig außer sich. Die hat dann auch immer wieder mal in die Runde gefragt:

Ist die CDU so tief gesunken, dass sie keinen eigenen Sarrazin mehr hat? Da meinte so ein Hinterbänkler: Einen Sarrazin haben wir zwar nicht, aber eine Sarrazina. Ich ruf mal die Erika Steinbach an.

Da hat er dann die Steinbach angerufen und gesagt: Liebe Erika, es wäre an der Zeit, lass mal wieder so richtig einen vom Stapel. Was macht die Steinbach? Die geht am nächsten Tag raus und verkündet: Habt Ihr schon gewusst? Der Pole hat damals zuerst geschossen.

Und schon war wieder Stimmung in der Republik. Aber die CSU geht das Thema Integration wesentlich sensibler an als die CDU. Der Integrator der CSU ist ja der Hans-Peter Friedrich. Der Friedrich hat ja quasi über Nacht Innenminister werden dürfen sollen müssen.

Weil der Fahrenschon und Herrmann nicht wollten. Der Fahrenschon hat gesagt: Daheim ist es am schönsten. Und der Herrmann hat gesagt: Keine Zeit. Er muss höchstpersönlich Alkoholkontrollen in der U- und S-Bahn machen.

Mit der allerersten Amtshandlung hat der Friedrich gleich beweisen, dass er in Geschichte gut aufgepasst hat. Er hat gesagt: Historisch gesehen haben die ganzen Ausländer hier eigentlich nichts verloren. Und somit auch nichts zu suchen.

Damit war der ideale Boden gelegt für den Integrationsgipfel. Da herrschte dann eine Atmosphäre wie beim Länderspiel zwischen Bosnien und Serbien. Um die ganze Sache bissl lockerer zu machen, hat der Friedrich dann den Türken vorgeschlagen: He, jeder von Euch hat doch Terroristen in der Verwandtschaft. Wie wäre es denn, wenn Ihr die verpfeift?

Spätestens da war klar: Bevor die Türken sich wieder an einen Tisch mit Friedrich setzen, macht der Netanjahu ein Spanferkelessen mit der Hamas.

Aber der Friedrich rechnet fest damit, dass es bald besser klappt. Und damit das mit dem Rechnen beim Friedrich auch wirklich klappt, sollte er sich vielleicht beim Ramsauer einen Klapprechner holen.

Als der Ramsauer Peter gefragt wurde, was er gegen die vielen Schlaglöcher machen will, hat er nur geantwortet: Wir müssen wieder zurück zu unseren sprachlichen Wurzeln. So wurde ausm Ramses der Wurzel-Sepp zur Rettung.

Und seine Experten aus dem Verkehrsministerium haben ausgerechnet: Mit einer PKW-Maut würden die Leute automatisch wieder mehr deutsch sprechen. Da hat der ADAC gleich Radau gemacht. Und schon kam der Rückzieher vom Ramsauer. Mit dem ADAC wollte er sich nicht anlegen.

Der ADAC ist immerhin die weltweit größte Symbiose aus Zeitschriftenabo und Schutzgeld.

Am Ende hat der Ramsauer wieder alles dementiert. Es sei nur ein Arbeitspapier mit Denkanstößen, die nicht weiter verfolgt werden. Im Klartext: Wenn Ramsauer denkt, sollte man es nicht weiter verfolgen. Aber er denkt gerne Anstößiges.

Aber eine ernstzunehmende bayrische Vertreterin gibt’s zum Glück schon noch in Berlin. Ilse Aigner. Früher hat man Bundesministerinnen immer auf ihr Äußeres reduziert. Das ist jetzt anders. Dank der Ilse. Wie elegant sie einen Stresstest nach dem anderen durchsteht. Reschpekt.

Jetzt sagen alle: Ja leck, die Aigner ist ja nicht nur attraktiv. Die schaut ja auch noch gut aus!

Die Ilse kämpft an mehreren Fronten gleichzeitig. Und hat trotzdem immer Zeit für kulinarische Tipps. Nach Fukushima hat sie zum Beispiel

gesagt: Keine Angst vor Sushi. Es bestehen keinerlei Anzeichen dafür, dass japanischer Fisch verstrahlt ist.

Sicherheitshalber hat die EU dann gleich die Strahlen-Grenzwerte hochgesetzt. Seit Fukushima sind die Grenzwerte nämlich an den Ölpreis gekoppelt. Das hätte man beim Dioxin-Skandal auch machen sollen. Hätte der Frau Aigner viel Ärger erspart. Tonnen von verseuchtem Futtermittel mussten ja irgendwie sinnvoll wiederverwendet werden. So kam E10 ins Dasein. Ganz nach dem Motto: Tanken sollte man es zwar nicht, aber fressen kann man es jederzeit.

Dieses E10 ist ganz im Sinne des Verbrauchers. Man tut 10 Prozent Bioethanol in den Sprit rein. Und schon steigt der Verbrauch um 10 Prozent. Und siehe da: Aus einer Milchmädchenrechnung wird eine Spritmädchenrechnung.

Und weil die Ilse jede Gaudi mitmacht in Berlin, darf sie Bezirksvorsitzende von Oberbayern werden. Weil sie sich gar nicht drum reißt. In der CSU kriegt man kein Amt mehr, wenn man laut Ich! Ich! schreit. Das haben wir mittlerweile auch kapiert, gell, Frau Haderthauer.

"Wie wichtig Glaubwürdigkeit ist, hat uns die Causa Guttenberg gezeigt." Foto: BBMC Tobias Ranzinger

Drum ist sie in letzter Zeit so staad. Da hat sie viel gelernt von der Ilse. Frau Aigner demonstriert gelassene Glaubwürdigkeit. Wie wichtig Glaubwürdigkeit ist, hat uns die Causa Guttenberg gezeigt. Da fiel ein ganzes Kartenhaus zusammen.

Unglaublich: Guttenberg hat sogar von seinem Doktorvater abgekupfert, ohne dass es der Doktorvater gemerkt hat. Der hat nur gesagt: Wie hätte ich es denn merken sollen? Ich habe es ja selber schreiben lassen.

Die Kanzlerin hat ja lang versucht, Guttenberg zu stützen. Immer wieder hat sie betont: Sie wollte keinen wissenschaftlichen Mitarbeiter, sondern einen Minister. Es ging quasi nie um Ehrlichkeit.

Eine charmantere Bankrotterklärung hat es in der Geschichte der Union eigentlich nie gegeben.

Und so komme ich zurück auf meinen Anfangsgedanken: Auf Bayern kommt mehr Verantwortung zu. Egal ob Regierung oder Opposition. Die Kanzlerin ist angeschlagen. Nicht nur die EU ist im Eimer, sondern auch der Meniskus von Merkel. Sie hatte ja nach Fukushima einen schrecklichen Unfall.

Helmut Kohl war ihr in den Rücken gefallen. Die Ärzte befürchteten schlimmste Schäden an der Wirbelsäule. Die haben gleich nachgeschaut und erleichtert festgestellt: Hoppla, da ist ja gar kein Rückgrat.

 

Veröffentlicht am: 06.05.2011

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