Bühnen
"radio.string.quartet.viena" in der UnterfahrtTschigan, spiel uns den Wiener Weather Report!
Manche Streichquartette sind richtig eruptiv. Harmonien verschieben sich wie Gesteinsplatten und unter Kreischen und sonorem Dröhnen steigt der Druck. Magma-Kammer-Musik – dann Ausbruch. Dann beruhigt sich wieder alles, wie im Flug einer rückwärts laufenden Explosion in den Ursprung zurück – man entspannt an einem seidigen Wasserspiegel-Akkord. Das ist Streichquartett-Dynamik. Wenn so ein Quartett dann auch noch aus Wien kommt und sich dazu noch den Ober(schla)wiener Jo Zawinul zum Thema gemacht hat, bleibt einem erst mal nur ein anerkennendes „Bist du deppert“. „Posting Joe“, die mittlerweile fünfte CD von "radio.string.quartet.viena", bestätigte diese erste intuitive Erkenntnis. Es war nämlich großartig. » weiterlesen
Jubiläums-Ausgabe von Spielart - die BilanzWellness mit Rimini, aber auch viel dunstiges Dunkel
Sehr durchwachsen ging Münchens großes Theaterfestival zu Ende: Die Unterschiedlichkeit der letzen Gastspiele ist durchaus repräsentativ für die zehnte Spielart-Ausgabe. Die Welt ist in den vergangenen 20 Jahren immer disparater geworden, die Aufführungen bilden das ab. Auch leisteten sich die Festivalmacher Tilmann Broszat und Gottfried Hattinger diesmal so viele Koproduktionen wie nie zuvor. Die Risikobereitschaft zur Katze im Sack sorgte aber auch für herbe Enttäuschungen. » weiterlesen
"OBserving Bundeswehr" und "Gob Squad" bei SpielartKnackwurst-Kultur mit Erlaubnis zum Reinbeißen
Nun weiß man so einiges über die Bundeswehr, was man noch nie darüber wissen wollte. Auch das ist Spielart: Es drängt einem ungefragt Themen auf. Und die Dramaturgie-Studenten der Bayerischen Theaterakademie, die unter Anleitung des renommierten Dokumentar-Theatermachers Hans-Werner Kroesinger Aufgaben und Funktionen der Bundeswehr erforschten, sind jetzt Experten. Sie haben ihre persönlichen Fragen („Was ist Krieg für mich?“) in mehreren Räumen des verwinkelten Prinzregententheaters installiert, durch die Guides die Besucher führen - ständig treppauf, treppab. » weiterlesen
Samuel Weiß inszeniert "Die Schneekönigin" von Christian Andersen im ResidenztheaterMit heißem Herz locker-bairisch-heiter
So ein Pech: Die Drehbühne will sich nicht drehen. Damit sie keine Stehbühne bleibt, ermuntern zwei Bühnenarbeiter in schönstem Bairisch das Publikum zur Mithilfe. Kaum haben sich alle zur Seite gelehnt, setzt sich die Drehscheibe in Bewegung. Mit diesem Pannen-Gag beginnt im Residenztheater „Die Schneekönigin“. Samuel Weiß inszenierte Hans Christian Andersens Märchen in einer Fassung des russischen Dichters Jewgeni Schwarz. Weiß bietet alles auf, was ein Familienstück (für Kinder ab 6) braucht, und das fügt sich zu durchaus märchenhafter Unterhaltung. » weiterlesen
Zwischenbilanz zum Theaterfestival SpielartVon Mao bis zum Glücksbedürfnis - auf erstaunlichen Wegen
Mit einer afrikanisch-deutschen Tanz-Produktion über die Idee des Panafrikanismus fing das zehnte Spielart-Festival an, dann zeigte das Nature Theater of Oklahoma die Banalitäten der US-Gesellschaft als Marathon-Kunstform aus Gleichmacher-Choreografie und Pop-Oper. Das Living Dance Studio aus Beijing blickte mit seiner Werkschau ins brutale Reich des Mao-Kommunismus, der hierzulande von der 68er-Generation ungeheuer verklärt wurde. Die Choreografin Wen Hui und der Filmemacher Wen Wenguang verschmelzen Doku-Videos mit minimalistischer, meditativer Tanzperformance, eingehüllt in einen Kokon aus durchsichtigen Vorhängen. Was da nüchtern und unsentimental von alten Menschen erzählt und mit Parteipropaganda konfrontiert wird, zeigt ein Unterdrückungssystem, das West-Sozialisten lange nicht als solches sehen wollten. » weiterlesen
Ofira Henig bei Spielart im Schwere ReiterAn der Totenbahre von Camus
"Geh mir aus der Sonne": Der Titel des Stücks von Ofira Henig soll, laut Programmheft, auf die Notwendigkeit hinweisen, das eigene Land zu verlassen, um das Licht der Sonne wieder sehen zu können. Er könnte aber auch auf einen der ersten überlieferten Akte der Opposition hinweisen - auf die Bitte des Diogenes. Alexander der Große hatte ihn gefragt, was er ihm Gutes tun könnte. Und Diogenes hatte nichts weiter begehrt als dies: "Geh mir aus der Sonne." » weiterlesen
„Field Works – Hotel“ bei SpielartKleine Gimmicks in Zimmer 203
Als „site-specific performance“ wird „Field Works – Hotel“ angekündigt. Tatsächlich ist die Arbeit des norwegisch-japanischen Choreographen-Duos Heine Avdal und Yukiko Shinozaki die einzige auf dem Spielart, die auf Bühne, Kulisse und Container verzichtet und einen real bestehenden Alltagsraum als Spielraum nutzt. » weiterlesen
Gärtnerplatz-Ballett mit "Berlin 1920 - eine Burleske" im CuvilliéstheaterMit Eva in die Roaring Twenties, so kühn wie unentschlossen
Die Kunstform der Burleske feiert seit einigen Jahren ein erstaunliches Revival. Kein Wunder, sie entstand als Flucht vom Alltag in den Krisenzeiten der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts – und in Krisenzeiten stecken wir wieder. Auch Karl Alfred Schreiner, Ballettchef des Gärtnerplatztheaters, nimmt sich also der Burleske an. „Berlin 1920 – eine Burleske“ heißt die seine, die sich nicht an die klassische Definition hält: Sie ist weder derbe Komödie noch heiteres Instrumentalstück, und auch Erotiktänzerinnen mit Boas und Zigarettenspitzen fehlen. » weiterlesen
Cuqui Jerez, "Berlin" und Katarzyna Kozyra bei SpielartAbseilmanöver mit Möhre
Viel Film beim Festival Spielart: Wer wollte, konnte bei Cuqui Jerez' Performance "Dream Project", bei der Videoperformance "Jerusalem. Holocene 1 revisited" der Künstlergruppe Berlin und am Abend im Ampere etwa bei "Looking for Jesus" ordentlich auf die Leinwand gucken. Allerdings mit begrenztem Erkenntnisgewinn. » weiterlesen
Zu Joshua Sobols "Ghetto" im VolkstheaterVon Tätern und Spielmachern
Ihm käme das manchmal vor wie Fantasy, bekennt der Schauspieler Johannes Meier. Doch es ist grausame Realität, was der israelische Autor Joshua Sobol in „Ghetto“ beschreibt: Die Situation der Juden im litauischen Vilnius, damals Wilna, unter dem Nazi-Regime. Das Drama wurde 1984 durch Zadeks Berliner Inszenierung mit Ulrich Tukur als SS-Offizier ein Welterfolg. 2006 wurde es verfilmt mit Heino Ferch als Ghettoleiter Jacob Gens. Den spielt nun Johannes Meier im Volkstheater, Pascal Fligg ist sein Nazi-Gegenspieler Bruno Kittel. Christian Stückl inszeniert. » weiterlesen

