Münchner Erstaufführung von Detlev Glanerts Oper "Joseph Süß" am Gärtnerplatz: Keiner bleibt unbefangen
Obwohl die Story alles enthält, was im Zeitalter schnell verderblicher TV-Unterhaltung für Quoten sorgt, traut sich keiner mehr so recht an sie heran. Schuld daran ist Veit Harlans unsäglicher Film „Jud Süß“, der im Gegensatz zu Lion Feuchtwangers literarischer Annäherung auf perfide Weise die Persönlichkeit des 1738 in Stuttgart hingerichteten „Hofjuden“ Joseph Süß verzerrte, damit sie den Zielen der NS- Propaganda entsprach. Detlev Glanerts Oper, die jetzt am Gärtnerplatztheater ihre Münchner Erstaufführung erlebte, hält dagegen: Sie rehabilitiert einen ungemein wirksamen Theaterstoff und erzählt die Geschehnisse um den cleveren Kaufmann und Finanzjongleur am Hof des württembergischen Herzogs Karl Alexander in knappen Skizzen. » weiterlesen
"ETA" und Gert Neuner sind zurück, mit Verblüffendem und Wüstem - nur zu verstehen gibt es nichts
Von der Decke hängt ein meterlanges rundes Technik-Ding: Riesenbohrer oder Betonmischer? Es entfaltet sich dann zu gestapelten Mülltonnen, die prasselnd Bauschutt entlassen, auch auf einen hilflos an der Aufzieh-Vorrichtung hängenden Bauarbeiter. Ein starkes, komisches Bild in „Fuck it square“ im i-camp. Sowas kann der Szene-Veteran Gert Neuner, der von 1983 bis 2008 mit seinem ETA-Theater jährlich ein rätselhaftes Projekt inszenierte. Nach vier Jahren Pause meldet sich das ETA zurück - mit dem wohl Wirrsten, das Neuner je ersonnen hat. » weiterlesen
Theatermasken von Wolfgang Utzt in München: Durch Verbergen deutlich machen
In der Ausstellung "In Masken geht die Zeit" präsentiert das Deutsche Theatermuseum in München eine Werkschau mit Theaterarbeiten des Maskenbildners Wolfgang Utzt: So viel Geheimnis sollte öfter kommen. » weiterlesen
Frühjahrsmüdigkeit
Refugien in den Bergen - Ein Buch zeigt Bayerns Märchenschlösser aus der Sicht eines Franzosen
Kaum war Ludwig II. auf bis heute rätselhafte Weise zu Tode gekommen, öffneten sich seine Schlösser dem breiten Publikum. Ein Franzose gehörte zu den ersten, die das in Wort und Bild festgehalten hat. » weiterlesen
David Helbocks "Random / Control" gastierte in der urigen Künstlerwerkstatt Pfaffenhofen: Zen, Gospel und Öpfili
Wer in Pfaffenhofen aus dem Zug steigt, dem bietet sich ein etwas trostloses Bild: eine Mischung aus Wohn- und Industriegebiet. Nichts deutet beim ersten Schweifen über das Gelände darauf hin, dass in Sichtweite die Kultur gepflegt wird. Hat man dann aber erst einmal die Hauptstraße überquert und nähert sich diesem einen etwas unauffälligen alten Haus, befällt einen eine erste Ahnung, dass hier vielleicht doch nicht alles so trist ist, wie es eben noch schien. » weiterlesen
"Intimate Stranger" in der Schauburg: Sechs Männer mit Macken sind witzig und bezaubernd
Sechs Männer, sechs Apartment-Türen, ein Treppenhausflur, ein Lift. Was die Choreografin Johanna Richter und ihr Ensemble in „Intimate Stranger“ daraus zaubern, hat soviel Witz und Situationskomik, dass man am Ende alle diese vertrauten Fremden - die anonymen Nachbarn - gut zu kennen glaubt. » weiterlesen
„Vibrator Play“ im Cuvilliéstheater: Allzu routinierter Boulevard, drollig unaufgeklärt
Es gab mal eine Zeit, da glaubte man an die Unterlegenheit des Weibes und die Allmacht der männlich dominierten Technik. Schiffe sollten unsinkbar, Distanzen überwindbar, alle Krankheiten heilbar sein. Vor allem jene weiblichen Störungen, die man unter dem Begriff Hysterie zusammenfasste, angeblich verursacht durch die unterbeschäftigte Gebärmutter: Ein elektronisches Massagegerät sollte die Störungen sanft hinwegvibrieren. » weiterlesen
Alexeij Sagerer mit "Weißes Fleisch" in der Muffathalle: Entsetzen und Eros bei einer magischen Aufführung
In der Muffathalle geben eine nackte Frau und ein Pferd eine infernalische Hochzeit und lassen ein verstörtes Publikum zurück, das allerdings auch nicht immer bei der Sache war. » weiterlesen
Die Münchner Philharmoniker mit Fausts Verdammnis im Gasteig: Spannend und kurzweilig
Oper oder Oratorium? Der französische Komponist Hector Berlioz hielt sich bedeckt: Er nannte "La Damnation de Faust" eine "dramatische Legende". Erst lange nach seinem Tod, im Februar 1893, gab es die erste Bühnenfassung des zweieinhalbstündigen Werkes. Im Gasteig begnügten sich die Münchner Philharmoniker mit der konzertanten Version. » weiterlesen
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