Bühnen
Jan Garbarek und das Hilliard Ensemle mit Chorälen in der St. Lukas Kirche: Wie eine Orchidee
Alt und neu zu mischen ist immer riskant. Entweder es geht daneben - oder es geschieht etwas Wunderbares. Bei Jan Garbarek und dem Hilliard Ensemble tritt meistens letzteres ein. Der Saxophonist und das Vokalensemble sind derzeit mit dem 2010 erschienen Programm „Officium Novum“ auf Tour. Auch in der Münchner St. Lukas Kirche machten sie Station. » weiterlesen
Schlicht und ergreifend: Die Arcis Vocalisten mit Monteverdis "L'Orfeo" in der Himmelfahrtskirche Sendling
Sie gilt als die erste Oper überhaupt (Uraufführung 1607), entstand zwischen Spätrenaissance und Frühbarock und ist so ganz anders als diese italienisch-dramatischen Schinken, die man heute als Opern bezeichnet: Claudio Monteverdis "L'Orfeo". Unter der musikalischen Leitung von Thomas Gropper führten die Arcis Vocalisten München das über 400 Jahre alte Werk in der Sendlinger Himmelfahrtskirche auf. Und trotz der eigentlich romantischen Schwere des Stoffes strahlt schon das Anfangsritornell diese wunderbare Leichtigkeit aus, der teils die Tonalität, teils diese zu dieser Zeit geforderte musikalische Klarheit zugrundeliegen. Es ist ein Ohrwurm, den man nicht mehr loswird. » weiterlesen
Das Nils Petter Molvær Trio auf Schloss Elmau: Ein Trip mit dem Düstermann
Eigentlich ist das ein Ort der Entspannung, eine Oase der Ruhe. Hier wird die Seele genauso massiert wie der Körper, hier kann man dem Alltagsstress entfliehen, sich bei Yoga, Pilates, Tai Chi entspannen; hier kann man im luxuriösen Spa-Bereich Anwendungen aller Art und in den Restaurants Klassiker der Sterneküche genießen. Und all das vor imposanter Panorama-Kulisse, am Fuße des Wettersteinmassivs. An einem milden Spätherbsttag aber war´s für eineinhalb Stunden erst einmal aus mit dem Relaxen. » weiterlesen
"Frosch und die anderen" in der Schauburg: Eine Parabel im Kleinformat
Sei kein Frosch! Das heißt soviel wie: Mach mit! Sei nicht feige und ängstlich! Weder feige noch ängstlich, sondern unternehmenslustig und neugierig ist der Frosch, der in den Kinderbüchern des holländischen Autors und Zeichners Max Velthuijs die Hauptrolle spielt. Nach Geschichten von Velthuijs zeigt das Theater Pappmaché in der Regie des Schauburg-Hausherrn George Podt die Uraufführung „Frosch und die Anderen“ für Kinder ab 4. Ein bezauberndes Figurenspiel, dessen liebevolle Details auch Erwachsene entzücken. » weiterlesen
Gedenken in privaten Raum bringen: Der Künstler Paul Huf und seine "Forschungsreise wider das Vergessen"
Eine seltsame Stimmung herrscht bei den vier Forschungsreisenden, die da am Bahnhof in Milbertshofen für ein Foto posieren. Sie lächeln, ja. Und der Künstler Paul Huf strahlt sogar eine Art von Vorfreude aus. Ernst Grube, der 78-jährige Holocaust-Überlebende, seine Frau Helga Hanusa und die Journalistin und Autorin Renate Eichmeier wirken eher angespannt. Kein Wunder. Die Reise geht in die Vergangenheit, in das düsterste Kapitel der deutschen Geschichte. » weiterlesen
Florian Webers Trio Minsarah mit Lee Konitz im Jazzclub Unterfahrt: Wo selbst ein schlichter Swing ganz neu klingt
"Florian is like an Alien", sagte Minsarahs Bassist Jeff Denson nach dem Konzert über den Pianisten. Er hat Recht. Florian Webers Klavierspiel ist wirklich manchmal wie nicht von dieser Welt, selbst dann wenn er die Gassenhauer wie "I'll Remember April", "What Is This Thing Called Love" oder "All The Things You Are" interpretiert. Mit seinem Trio Minsarah und dem inzwischen 84-jährigen Lee Konitz gastierte er im Rahmen der Jubiläums-Konzertreihe des Münchner Labels Enja Records im Jazzclub Unterfahrt. » weiterlesen
Der Schauspieler Norman Hacker über Sesshaftigkeit, Veränderung und das Ankommen in München
Seine Antrittsrolle am Residenztheater hat er schon bravourös hingelegt: In "Zur Mittagsstunde" spielt Norman Hacker einen Durchschnittstypen, der als Überlebendern eines Amoklaufs zum Sektenguru wird. Nun ist er in Roland Schimmelpfennigs Vier-Personen-Stück "Peggy Pickit sieht das Gesicht Gottes" zu sehen. Die Uraufführungs-Inszenierung von Martin Kusej ist eine Koproduktion mit dem Deutschen Theater Berlin. Norman Hackers Partner sind Sophie von Kessel als seine Frau, Ulrich Matthes und Maren Eggert als befreundetes Ehepaar. Gestern war die München-Premiere im Cuvilliéstheater. Der Kulturvollzug hat mit ihm gesprochen. » weiterlesen
Für Goethe "eine neue Welt" - Wie der Fremdenverkehr das Alpenvorland "fashionable" machte
"Zum Kotzen schön", nannte der Schauspieler Ottfried Fischer das bayerische Oberland einmal. Das fanden andere schon viel früher auch. Seit dem 18. Jahrhundert nahm der Fremdenverkehr im bayerischen Oberland eine rasante Entwicklung, die auch viel mit Verkehrs- und Wirtschaftpolitik zu tun hat. » weiterlesen
Freitagsgedanken (Folge 16): I know the Way to Carnegie Hall
Der stehende Spruch meines Lehrers war: "Üben hilft leider". Das Problem an dieser Aussage ist nicht das Üben, sondern das "leider". Denn Üben hat nicht immer etwas mit lernen zu tun. Letzteres tun wir ja sowieso. Es wird behauptet, Erwachsene lernen sehr langsam oder überhaupt nicht. Das ist Blödsinn. » weiterlesen
Castorfs "Kasimir und Karoline" im Residenztheater: Ein hakliges Kreuz und schrilles Kasperltheater
Späte Rache an München? 1989 forderte der bayerische Innenminister Tandler die Absetzung von Frank Castorfs Residenztheater-Inszenierung „Miss Sara Sampson“ wegen Obszönität, weil darin ein Schauspieler onanierte. Dass der neue Intendant Martin Kusej den jetzt 60-jährigen, immer noch berufsmäßigen Theaterprovokateur Frank Castorf einlud, „Kasimir und Karoline“ von Ödon von Horváth im Residenztheater zu inszenieren, kann nur heißen, dass Kusej in seinem bisher verhaltenen Start auch ein empörungsträchtiges Färbchen setzen wollte. » weiterlesen

