Leben
Vollrad Kutscher und Richard Thieler im Freisinger SchafhofLeuchtende Werke
Licht ist Energie und macht die Dinge erst sichtbar. Diese schlichte Tatsache kommt selten so markant wie in der aktuellen Ausstellung im Schafhof in Freising zur Geltung. Ohne Strom nämlich wäre dort rein nichts zu sehen und somit avanciert diese Präsentation flugs zu einer Chiffre für unsere Abhängigkeit. Um dies zu visualisieren hat Eike Berg zwei namhafte deutsche Künstler eingeladen, die sich mit dem Thema Identität beschäftigen - womit ihre Arbeiten sich zudem in das Jahresthema des Hauses einfügen. Obendrein reflektieren beide das Phänomen Kino, was in einer kinolosen Stadt wie Freising freilich von besonderer Bedeutung ist. Im Schafhof gibt es regelmäßige Filmvorstellungen - ein Grund mehr für diese Ausstellung an diesem Ort. » weiterlesen
Ugo Dossi in der Regensburger Galerie "Artaffair"Ein feines Grinsen der Götter
Ugo Dossi zeigt derzeit Arbeiten von 1976 bis 2016 in der Regensburger Galerie "Artaffair". In den Räumen der ehemaligen Privatkapelle in der Nähe des bedeutendsten Doms der süddeutschen Gotik nehmen sich die Arbeiten Dossis, eingebettet in die gotischen Spitzbögen, kongenial, geradezu konspirativ aus. Er selbst bezeichnet sich als Schmuggler des Unbewussten. Was er schmuggelt, sind Reanimationen des im Konstrukt der Geschichte schlummernden Wissens und Ahnens. » weiterlesen
Pierre Jarawans Roman "Am Ende bleiben die Zedern"Sehnsuchtsorte der Geschichte
Der Münchner Poetry Slammer Pierre Jarawan hat mit "Am Ende bleiben die Zedern" seinen ersten Roman geschrieben. Und der ist auf ziemlich viel Medieninteresse gestoßen. Besprechungen in zahlreichen regionalen und überregionalen Zeitungen, Online-Magazinen und Blogs sind ja gerade bei einem Erstlingswerk nicht selbstverständlich. Man muss konstatieren, dass Jarawan bei diesem kraftvollen, poetischen Buch ziemlich viel richtig gemacht hat. » weiterlesen
Berlinale-Auftakt mit "Midnight Special" von Jeff NicholsMix aus Paranoia-, Thriller- und Familienfilm
Mit 66 Jahren... da fängt das Leben an... Ob trotziges Seniorentum à la Udo Jürgens auf die Internationalen Filmfestspiele von Berlin passt, auch wenn die Berlinale heuer ihren 66sten feiert? Welchen Jahrgang an Filmen diese Schnapszahl wohl hervorbringt? Kopfweh-lastiges oder Feier-Filme? Wir werden sehen. Bis zum 21.2.2016 grassiert auf jeden Fall wieder das Filmfieber in der Hauptstadt. Am Donnerstagabend stand schon mal ein erstklassiger Eröffnungsfilm auf dem Programm: Die vierfach Oscar-dekorierten Coen-Brüder hatten ihre satirisch-überdrehte Hommage an das klassische Hollywood-System der „Goldenen Ära“ der 1940er und 1950er Jahre („Hail, Caesar!“) im Gepäck: Ein absoluter Hit, der Kritiker- wie Publikumsherzen im Sturm für sich gewinnen konnte und zugleich ein seltener Fall. » weiterlesen
Nach "Trash People II" auf der Theresienwiese für TollwoodWie „Macher“ HA Schult die vermüllte Umwelt zur Kunst umfunktioniert
Winter-Tollwood ist vorbei, doch das Festival wirkt nach: Vor kurzem wurde es im Rahmen der European Festival Awards auf dem Eurosonic-Festival im niederländischen Groningen mit dem Green Operations Award ausgezeichnet. Der Preis zeichnet ökologisch und sozial engagierte Festivals aus; mit Tollwood nun auch erstmals eines aus Deutschland. Auf dem Winter-Tollwood hatte es viele Aktionen gegeben, von der Kampagne „Artgerechtes München“ bis zu „Bio für Kinder“. Zudem krönte das Festival eine Kunstaktion von HA Schult auf der Theresienwiese - "Trash People II". Wir blicken aus diesem Anlass noch einmal auf das Schaffen des Künstlers. » weiterlesen
Karl Stankiewitz über die Einführung der Redoute vor 300 JahrenWie der Fasching in München entstand
Ob Max Emanuel die Idee vom Carneval in Venedig oder von seinem langjährigen Exil in Frankreich heimgebracht hatte, ist noch nicht erforscht worden. Jedenfalls erwähnt die Stadtchronik im Jahr 1716 die erste „Redoute“ in der Residenz des an Lust und Luxus gewohnten „Blauen Kurfürsten“, der zehn Jahre später an einem Magenleiden starb. Wenn das Datum stimmt, dann wird die Hochform des Münchner Faschings jetzt genau 300 Jahre alt. » weiterlesen
Zum 85. Geburtstag des Bildhauers Martin MayerMit Gottvertrauen und üppigen Feen
Seinen Keiler vor dem Jagdmuseum in der Münchner Fußgängerzone kennt jedes Kind. Auch den Franziskus oder die dralle Olympia. Am 16. Januar 2016 wurde der Münchner Bildhauer Martin Mayer 85 – ein Besuch bei ihm in der Borstei. Die eine räkelt sich ungezwungen am Boden. Zwei andere gucken Löcher in die Luft. Dazwischen öffnet eine Mollige verträumt die angewinkelten Beine, während einem die nächste ihr herrlich ausuferndes Gesäß entgegenstreckt. Ein bisschen wie in Ingres‘ „Türkischem Bad“ geht es hier zu. Nur sitzt der Pascha mittendrin: Martin Mayer lächelt, und seine durchdringenden blauen Augen leuchten herausfordernd. So viele Frauen – das macht ihm so schnell keiner nach. » weiterlesen
Schauspieler Walter Sedlmayr wäre jetzt 90 Jahre altDer Paradebayer
Neunzig Jahre eines unsteten Lebens voll scheinbarer Erfolge lägen jetzt hinter ihm. Ein Vierteljahrhundert lang gehörte er zum Ensemble der Münchner Kammerspiele. Aber nie hatte er eine tragende Rolle bekommen. Eigentlich war er auch gar nicht beliebt unter seinen Kollegen. Ihnen war der füllige, oft herumnörgelnde, etwas verklemmte, am 6. Januar 1926 in München geborene Kleindarsteller, der es gerade mal zum Zuhälter in der „Dreigroschenoper“ und zu Nebenrollen im Heimatfilm brachte, immer ein bisschen zu patzig, wohl auch zu hinterfotzig. Dass ihn jedoch eben diese Eigenschaften einmal zum Star machen sollten, konnte damals niemand ahnen. » weiterlesen
Bonn und München feiern das Werk der Konzeptkünstlerin Hanne DarbovenDoppelte Hommage an die Maximalkunst einer grandiosen Anachronistin
Wo soll man eigentlich anfangen? Einfach mittendrin in diesem Raster-Meer gerahmter Seiten? Sitzt womöglich im Detail die Erklärung? Und was ist überhaupt der Sinn dieser dauernden Überbordung? Man könnte hier leicht ungehalten werden. Und ratlos. Ratlos vor allem, wenn man sich dem Werk Hanne Darbovens (1941-2009) mit den üblichen Erwartungen nähert und das Ganze kapieren, durchdringen, eine Botschaft aus dieser – nennen wir’s ruhig – Zumutung herausfieseln will. » weiterlesen
Zur Feier von Richard GrimmWie aus einer verrückten Idee das Jüdische Museum entstand
Jetzt, wo es schon seit Jahren wie selbstverständlich am St.-Jakobs-Platz steht, ist es eine Geschichte aus grauer werdender Vergangenheit. Dabei war es ein buntes, aber nicht immer fröhliches Abenteuer, wie einst aus einer kleinen Privatinitiative das Jüdische Museum München entstand. Der Mann, der den Anstoß gab, wurde 2015 70 Jahre alt. Deshalb möchten wir ihn auch hier würdigen, bevor das neue Jahr kommt und auch diese Vergangenheit wieder ein Stück grauer wird. (gr.)
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