Abends in der Residenz
Wo rote Sakkos auf Blitzlicht warten
„Doppelhamlet“ von Bösediva im Schwere ReiterWenig Hamlet, dafür Hintern und Hoden
Als Zauderer ist er in die Weltliteratur eingegangen: Sein oder nicht sein, handeln oder nicht handeln? Das Berliner Künstlerduo Bösediva spaltet den wehrlosen Shakespeare-Helden in einen „Doppelhamlet“: Ja-Sager und Nein-Sager. Robin Detje und Elisa Duca brechen in ihrer performativen Installation das Problem herunter auf die simple Frage, was jeder Einzelne gegen das Faulen des Staates tun kann. Antworten hat Bösediva in der Koproduktion des Pathos München mit den Berliner Sophiensälen allerdings nicht. » weiterlesen
Zum Auftakt von Ali Khans neuem Programm "Tourette Tour"Handlungsreisender in Deftigkeitskurzware
Schlachthof. Am Eingang zum Saal wird gestempelt. Langsam versammeln sich die Gäste zur Kabarettbeschau. Tourette-Tour heißt der Abend von Ali Khan, dem geschassten Moderator von Radio Charivari. Nach gut 1000 Radio- Shows besinnt sich der mediale Tausensassa auf frühere Tugenden und präsentiert so etwas wie eine Multi-Media-Szeneria-Nabelshow. » weiterlesen
Pfiati Wiesn!
"Amerika" von Franz Kafka in den KammerspielenEs war einmal ein Land, es wurde ein Stummfilm
Land der unbegrenzten Möglichkeiten, schöne neue Welt? So schön ist das Land nicht für den aus Prag nach Amerika geschickten Karl Roßmann. Es wirft ihn nach unerwartetem Glück hart auf die Straße. In dem 1911 bis 1914 entstandenen Romanfragment „Amerika“ hat Franz Kafka, der Amerika nie gesehen hat, Utopie und Dystopie zugleich entworfen. Die 32-jährige Regisseurin Julie Van den Berghe aus Gent hat 2011 mit Duras' „Agatha“ eine respektable Visitenkarte abgegeben. Nun inszenierte sie in der Spielhalle der Kammerspiele „Amerika“ als Stummfilm-Hommage mit den multifunktionalen Mitteln des armen Theaters. » weiterlesen
Zum 25. Todestag von Franz Josef Strauß - ein Reporter erinnert sichWie der große Vorsitzende seinen 60. Geburtstag fürstlich feiern ließ
Mit gespielter Selbstironie nannte er sich gern „Franz Josef I“. Barock, gönnerhaft, fast absolutistisch war sein Regierungsstil. Wie sehr er sich als Regent fühlte und kurbairischen Fürsten nacheiferte, offenbarten viele seiner öffentlichen Auftritte, seine kaum mehr gespielte Freude, als man ihn beim Salvator-Anstich zum Bayernkönig kürte, vor allem aber seine Pläne für eine pompöse Münchner Residenz, die neue Staatskanzlei. Über den Politiker Franz Josef Strauß, sein Reden und Treiben konnten die Redaktionskollegen zwischen Konstanz, Bremen und Berlin gar nicht genug „Hintergrund“ bekommen. Unser Autor Karl Stankiewitz (Jahrgang 1928) zitiert hier seinen Bericht über die im September 1975 abrollenden Feierlichkeiten zum 60. Geburtstag des Großen Vorsitzenden der CSU, der damals erst noch der Regent Bayerns werden sollte. » weiterlesen
Handschuhe des Bösen
Csaba Polgár inszeniert "Julius Cäsar" am VolkstheaterDas Volk stampft letztlich alle in den Boden
Na, das ist mal eine interessante Tötungsart: Die Meuchelmörder schleppen den zappelnden Cäsar zur Schuhputzmaschine und klemmen seinen Kopf zwischen die Schleifräder, an denen er eingangs genüsslich seine Pumps polieren ließ. Der 31-jährige Ungar Csaba Polgár zeigte bei „Radikal jung“ 2012 einen furiosen „Coriolan“. Jetzt hat er im Volkstheater Shakespeares „Julius Cäsar“ inszeniert - auch ein Stück über Macht, Volk und Herrscher, Ideale und Realpolitik. So überzeugend wie bei „Coriolan“ gelang Polgár hier die Umsetzung jedoch nicht. » weiterlesen






