Bühnen
Herbert Fritsch mit Gogols "Revisor" am ResiBunter Sex in hübscher Stilisierung
Das Beste ist die Applausordnung. Da reißen die Musik und das Getänzel der Schauspieler alle Zuschauer so mit, dass keiner mehr Buh schreien mag. Theatermacher wissen, dass eine effektvolle Applausordnung die halbe Miete ist. Herbert Fritsch hat das perfektioniert und zum Markenzeichen gemacht: Im München ließ er sich beim Premieren-Beifall von den Schauspielern überrennen und verschwand im Pulk, ehe er sich wieder aufrappelte. Alles sorgsam inszeniert. Das Publikum jubelte. Nur Bravos, kein Buh. So ist Herbert Fritsch, der mit seinen entfesselten Extemporés lange der Schauspieler-Star an Frank Castorfs Berliner Volksbühne war und seit einigen Jahren seinen Spaß-Terrorismus höchst erfolgreich auch als Regisseur verbreitet, nun angekommen und weich gelandet im Münchner Residenztheater. Er inszenierte Nikolai Gogols satirische Komödie „Der Revisor“ aus dem Jahr 1836 so schrill, grell und grotesk, wie man es von ihm erwartete. » weiterlesen
"Rigoletto"-Premiere in der StaatsoperTriumph für Verdi in ungereimter Szenerie
Sieben Jahre nach der umstrittenen Inszenierung von Doris Dörrie hat sich die Bayerische Staatsoper entschlossen, Verdis „Rigoletto“ wieder für das Repertoire zu entdecken. Schließlich wird im nächsten Jahr der 200. Geburtstag des Komponisten gefeiert. Angeleitet von einem Regie-Team aus Ungarn darf der Womanizer und Herzog von Mantua nun erneut beklagen, wie trügerisch Frauenherzen sind. Wenn das so verführerisch geschieht wie diesmal durch den maltesischen Tenor-Star Joseph Calleja, dann muss man einfach kapitulieren. Vergessen waren alle szenischen Ungereimtheiten. Verdi triumphierte. » weiterlesen
Honeggers "Johanna" vom GärtnerplatztheaterKonzertant brennen mit sparsamen Lichteffekten
Aus der Not, sein eigenes Haus wegen Renovierungsarbeiten nicht bespielen zu können, macht Gärtnerplatzchef Josef E. Köpplinger eine Tugend. Honeggers Oratorium „Johanna auf dem Scheiterhaufen“ fand in der Alten Kongreßhalle auf der Theresienhöhe einen angemessenen Ort. Die konzertante Aufführung, durch sparsame Lichteffekte (Max Keller) angereichert, zeugte eindrucksvoll von den Qualitäten der hauseigenen Kräfte. Chor, Kinderchor und Orchester des Theaters am Gärtnerplatz präsentierten sich optimal vorbereitet. Und auch die Auswahl der Solisten überzeugte. » weiterlesen
"Die Anarchistin" am ResidenztheaterDuell der Königinnen nach 35 Jahren Knast - Premiere abgebrochen!
Die Premiere des Stücks "Die Anarchistin" von David Mamet am vergangenen Samstag (15.12.12) musste wegen eines Schwächeanfalls von Cornelia Froboess nach einer halben Stunde abgebrochen werden. Der Schauspielerin soll es inzwischen wieder besser gehen. Wenn es die Gesundheit der Hauptdarstellerin zulässt, wird das Residenztheater die nächste reguläre Vorstellung zur Premiere machen. Wir haben vor dem ursprünglich vorgesehenen Start mit Regisseur Martin Kusej gesprochen. » weiterlesen
Philip Deckers "Fear no Fear" in der Halle 7Interaktives Theater mit Gruseleffekt
"Fear No Fear – Der Angst auf der Spur" ist ein Projekt des Regisseurs Philip Decker. Das Theaterstück zeigt, dass Angst immer immanent ist. Sie schreckt nicht nur ab, sondern fasziniert auch. Es geht um unterdrückte Emotionen, Leistungsdruck und Wutausbrüche. Um Alpträume und Angstzustände, die im Wahnsinn münden. Gespielt wird an verschiedenen Stationen in der und um die Halle 7, was Interaktivität möglich macht – sie gewähren darüber hinaus Zutritt zu für Besucher normalerweise nicht zugänglichen Räumen. » weiterlesen
pianopossibile im i-campSchwammklänge und Maiträume
Gestern, am Mittwoch, gab es ein weiteres Konzert der Silberstreifenreihe, diesmal mysteriös „silver-nauts“ genannt, des Münchner Ensembles „pianopossibile“ im Umfeld des Komponisten Klaus Schedl im Untergiesinger i-camp. » weiterlesen
Polina Semionova in MünchenZwei Weihnachtssterne fürs Staatsballett
Tschaikowskys Weihnachtsklassiker hat in der entrümpelten Fassung von John Neumeier ohnehin eine wohltuende Wirkung. Wenn auch noch alle Rollen perfekt besetzt sind und eine gefeierte Ballerina das Ensemble entflammt – dann ist Weihnachten im Nationaltheater. » weiterlesen
BR-Symphonieorchester auf ReisenMariss Jansons bringt Beethoven nach Japan
Um in einem erstklassigen Haus zu spielen braucht das Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks keinen neuen Konzertsaal. Es reist einfach nach Japan und spielt dort alle Beethoven-Symphonien. Die Japaner waren begeistert und uns Münchnern bleibt immer noch die Möglichkeit, die Konzerte von CD zuhause zu hören. » weiterlesen
Wedekinds "Franziska" in den KammerspielenJubiläums-Slapstick aus der Mottenkiste - noch nicht mal ein Skandälchen
Das gab Skandal und jede Menge Ärger mit der Zensur - schon Wochen vor der Uraufführung am 30. November 1912 in den kurz zuvor neu eröffneten Münchner Kammerspielen. Genau das wollte der Autor Frank Wedekind: Bürger schrecken, Tabus brechen, revoluzzen um jeden Preis. In sein Drama „Franziska“ packte er eine Provokation nach der anderen: Freie Liebe, Nacktheit auf der Bühne, politische Kritik, frühen Feminismus. Die glückliche, alleinerziehende Mutter am Ende erspart uns Andreas Kriegenburg netterweise durch Streichung des 5. Aktes in seiner ironischen Reverenz-Inszenierung zum 100. Geburtstag der Kammerspiele. » weiterlesen
Butoh-Performance in der Halle 7Tanzen mit Gott und Mussolini
„Anicca Lava“ ist ein Tanzstück über die Unbeständigkeit des Seins - so kündigen es die Butohtänzer Alexander Wenzlik und Seda Büyütürkler an. Und überhaupt sei alles im Fluss der Vergänglichkeit, die das Fundament des Alltags bilde. Soweit zur Schärfe der Unschärfe, im Besonderen zu den Risiken der Fortbewegung auf zwei Beinen. Ein Butoh-Abend im Theater Halle 7. » weiterlesen

