Musik
"Ich wurde halt genommen...": Der Münchner Harfenist Christoph Bielefeld und das Schulternzucken eines Virtuosen
Er sitzt in einem breiten Ledersessel und erzählt, als würde er jeden Tag ein Interview geben. Er trägt Brille, Jeans und Turnschuhe, blondes, kurzes Haar, dazu ein souveränes, professionelles Auftreten und als Accessoire diese Art von Lässigkeit, die bei klassischen Musikern zu Unrecht mit Arroganz verwechselt wird. Das „Du“, das er gleich nach dem ersten Händedruck anbietet, ist offen und freundlich – auf geschäftlicher Ebene. Gelegentlich lehnt er sich zurück, die Hände über den Knien gefaltet. » weiterlesen
Freitagsgedanken (Folge 7): Eine Expedition in die verworrene Begrifflichkeit der Musikstile
Stellen Sie sich vor, Sie haben einen Schrank vor sich, mit tausenden von Schubladen. Und Sie haben etwas in der Hand, das Sie da irgendwo einordnen müssen. Sie versuchen es. Nach einer Weile stellen Sie fest, es passt nirgendwo hinein. Nicht, dass es zu groß wäre. Nein, die Schubladen sind alle schon bis zu einem gewissen Grad gefüllt, und Ihr Objekt muss inhaltlich hineinpassen. Sie sind kurz vor dem Verzweifeln, als Sie zwischen zwei Schubladen, die beide eine Teilmenge Ihres gesuchten Inhaltes abdecken, ein bisschen Platz ausmachen. Schon rücken Sie mit Säge und anderen Werkzeugen an und kreieren einfach eine neue Schublade. Sie ist schmal, das Objekt passt nur ganz knapp hinein. Aber Sie haben es eingeordnet und sind zufrieden. Sie lehnen sich zurück und feiern sich selbst. Als der Erfinder des Melodic Thrash Acid Samba. » weiterlesen
Puccinis "Edgar" in der Allerheiligen Hofkirche: eine Münchner Erstaufführung nach mehr als hundert Jahren
Regisseur Andreas Wiedermann hatte eine Idee. Bei ihm beginnt Puccinis Frühwerk "Edgar" mit einem zehnminütigen, stummen Defilee des Chores: Von links rennen, hasten oder schlurfen die einzelnen Akteure über die Bühne zu einem am rechten Rand stehenden Schreibtisch, an dem der Held Platz genommen hat. Geduldig stempelt er Formulare. Ein kleiner Beamter schiebt Dienst - und träumt ganz nebenbei davon, einmal ein richtiger Supermann zu sein. » weiterlesen
Annette Neuffer Quintet: The Music of Billie Holiday and Lester Young
Der Tod von Amy Winehouse hatte aufgerührt und empfindlich gemacht, eben auch für die große Vorgängerin, für Billie Holiday: Gardenie im Haar, Träne in der Stimme. Der Blues, Alkohol und diese Männer. „He isn´t true, he beats me too, what can I do – oh my man, I love him so.“(The Man) Und man sah vor dem inneren Auge, wie Amy Winehouse von der Bühne aus immer wieder ängstlich Ausschau gehalten hatte nach ihrem Loverman, wie sie zappelte an seiner Angel.
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Interview mit Hans Well zur Auflösung der Biermösl Blosn: "Ab sofort kann ich mein Tempo selbst bestimmen"
Sie waren das politische Gewissen Bayerns, haben unermüdlich gegen das bräsige CSU-tum angesungen, die Volksmusik reanimiert, von Anfang an gegen Atomkraft demonstriert und überhaupt immer das Maul aufgemacht, wo man es auftun sollte, wenn man ein Hirn hat und das auch ab und an zum Denken benutzt. Nun haben die drei Well-Brüder bekannt gegeben, dass sie zum Jahresende aufhören werden. Wie geht es jetzt weiter? » weiterlesen
„Ich liebe diese Welt“: Die Münchner Band „Intensive Erfrischung“ über Partystimmung, Hoffnung, und alles was so schiefläuft
Positive Energie, Feierlaune, „Gutes Feeling“: All das nennt Rapper Double J auf die Frage, was seine Band „Intensive Erfrischung“ sein soll. Kritisch und aufrüttelnd sind die Texte des jungen Münchner MC trotzdem. Er ist brutal mit Sprache. Klare Worte, unreine Reime und ein Gefühl für Eingängigkeit prägen seine Art von Poesie. » weiterlesen
Freitagsgedanken (Folge 5): Fenster auf, es stinkt nach Gis-Dur!
Es ist August, wo bleibt die Weihnachtsdeko, wo sind die Lebkuchen, verdammt, warum schmeckt das Leben noch nicht nach Zimt und Tannenharz? Okay, es ist noch etwas hin, bis man vor der Kälte draußen flieht und die Wärme im Gold der Christbaumkugeln sucht. Trotzdem, ich bin schon ganz heiß drauf, endlich wieder den Geruch dieser schon hundertmal gesungenen Lieder in der Nase zu haben. » weiterlesen
Helden im Platzregen: Die Münchner Rock- und Punk-Legende The Comics nach 20 Jahren wieder im Theatron
Die Band The Comics um den später als „Schwabinger Schaumschläger“ bekannt gewordenen Autor Michael Sailer gehört zum Legendenschatz der Münchner Punk- und Rockgeschichte. Ihr historischer Platz ist zwischen Tollwut und Dead City Radio in den späten 80ern. So war es eine zumindest lokale Sensation, als plötzlich ihre Wiedervereinigung für einen Auftritt im Theatron angekündigt wurde – gut 20 Jahre, nachdem sie zuletzt dort auf der Bühne standen. » weiterlesen
Die Kunst der Fügung: Die Münchner Indie-Band "Boy Android" steht mit erstem Album in den Startlöchern
Grau und regnerisch ist es an diesem Tag. Die wenigen Leute, die unterwegs sind, tragen Schirme und missmutige Gesichter. Hagen Fiedler, Sänger und Gitarrist der Münchner Indie-Band "Boy Android", begrüßt mit einem hintergründigen Lächeln und einem Kommentar zum Wetter. Ebenso Bassist Hannes Geiselbrecht, der trotz nächtlicher Feierlaune und anschließendem Morgengrauen seinen Humor nicht verloren hat. » weiterlesen
Freitagsgedanken (Folge 4): Zurück zum Ursprung?
Seit einiger Zeit habe ich meine Ernährung umgestellt. Ich esse hauptsächlich Obst, Gemüse, Fleisch, Fisch und Brot. Alles andere gibt es vielleicht einmal die Woche. Wenn ich es überhaupt noch essen will, denn inzwischen hat sich wirklich meine Einstellung verändert. Ich stelle auch fest, es gibt Gemüsesorten, die ich bis dato gar nicht kannte. Also entdecke ich in meiner scheinbaren Restriktion neue Möglichkeiten. Übertragen wir das Ganze mal auf die Musik. » weiterlesen

