Leben
Mephistos, überall: Salzburg wagt mit "Faust I und II" einen monströsen Kraftakt
„Das Unzulängliche, hier wird's Ereignis/ Das Unbeschreibliche, hier ist's getan“: Trefflicher als mit diesem selbstironisch verpopten Schlusschor beim Musical-Finale lässt sich Nicolas Stemanns „Faust I + II“-Inszenierung bei den Salzburger Festspielen kaum auf den Nenner bringen. „Faust I“ - das kann jedes Stadttheater. Doch dazu den ausufernden und als unspielbar geltenden Teil II von Goethes Opus magnum auf die Bühne zu bringen, das wagten zuletzt Burg-Chef Matthias Hartmann 2009 und Peter Stein mit seiner ungekürzten, staatstragenden Zwei-Tage-Aufführung bei der Expo 2000. » weiterlesen
Musikalischer Wildwuchs für jeden Geldbeutel - Zum Subkultur Open Air in Fürstenfeldbruck
Alles eine Frage der Einstellung: Für die Fürstenfeldbrucker Jugend ist jetzt Sommer, auch wenn das Wetter kühl und trüb ist. Mit Schlauchbooten kommen sie zum Subkultur Open Air, legen sich ins trockene Plastikboot und begeben sich auf eine Rundfahrt quer durch die Musikstile. » weiterlesen
Freitagsgedanken (Folge 2): Wir tun es. Und zwar genau das, was sie jetzt denken.
“Let’s Talk About Sex.“ – Dieser Satz kommt grundsätzlich von jemandem, der verlegen ist. Denn dann ironisiert er mit einem Zitat, dass er das Gespräch gerne in diese Richtung lenken würde. Ich sage ihn auch. Und zwar jetzt. Denn die Frage, die sich einem aufdrängt, wenn man sich viel mit Musik beschäftigt, ist zwangsläufig: Wenn guter Sex und gute Musik eine ähnliche Wirkung haben, was haben sie dann gemeinsam? » weiterlesen
Super-Sänger und Pastell-Dirigat: Salzburg eröffnet mit Mozarts "Figaro"
Die Sänger fürchten sich davor: wenn sie auf der Bühne alles aus sich herausholen – und das Publikum im Saal stumm bleibt. Den ersten Szenenapplaus gab es bei der Eröffnungsvorstellung der Salzburger Festspiele nach einer Stunde. Da hatte die wunderbare schwedische Mezzosopranistin Katija Dragojevic das Ständchen des Cherubino „Voi che sapete“ so herzbewegend überzeugend geträllert, dass der Schickeria im Parkett nichts anderes übrig blieb, als sich endlich erweichen zu lassen. » weiterlesen
Stückl tut den Jesus weg: "Joseph und seine Brüder" in Oberammergau ist mehr als nur Passions-Ersatz
Schon wieder Sommer-Theater in Oberammergau? Die nächste Passion findet doch erst 2020 statt! Aber der Spielleiter Christian Stückl (nebenberuflich Intendant des Münchner Volkstheaters) ist Oberammergauer mit Leib und Seele sowie Sitz im Gemeinderat. Das Passionstheater muss regelmäßig bespielt werden, findet er, und beruft sich auf eine Oberammergauer Tradition: Seit dem 18. Jahrhundert gibt es die „Kreuzschul“, Aufführungen in den zehn Jahren zwischen den Passionsspielen. » weiterlesen
Was reimt sich auf Himmel? Warum ein Saisonabschluss mit dem Brandner Kaspar auf dem Land etwas anders ist
Der Brandner Kaspar ist auch in der Inszenierung von Christian Stückl wahrlich nicht mehr neu – aber als Saisonabschluss gibt’s kaum was Schöneres. Insbesondere wenn das Münchner Volkstheater dafür nach Oberammergau geht, wo man wiederum die alte Herrgott-Schmonzette ein bisschen anders als in der Stadt erleben kann. » weiterlesen
Tanzen oder nicht tanzen, das ist hier die Frage - über das Schulprojekt des Bayerischen Staatsballetts
Das Schulprojekt "Anna tanzt" des Bayerischen Staatsballetts zwingt zum sechsten Mal liebevoll Teenager in den Probensaal. Das Ergebnis, "Anna tanzt VI-Anna liebt...", kann sich sehen lassen. Es ist die letzte Zusammenarbeit mit dem St. Anna-Gymnasium in München. Der Kulturvollzug war bei den Proben dabei. » weiterlesen
Knochenarbeit, nicht nur für Tina: Judith Weirs "Achterbahn" bei den Bregenzer Festspielen
Es gibt nicht viel Gutes von "Achterbahn" in Bregenz zu berichten. Immerhin: das Bühnenbild von Tom Pye ist in seiner kühlen Ästhetik von bezwingender Schönheit. Zwei riesige Segel begegnen sich, eines davon kann als Projektionsfläche genutzt werden, das andere bündelt mehrere Lichtschienen, knallrot, grün oder blau. Mit dem Stück hat dieses Ambiente nur wenig zu tun. Aber es ist ungemein eindrucksvoll. » weiterlesen
Kraftvolle Italianitá und effektvolle Bühnenshow: David Pountney und "André Chénier" glänzen in Bregenz
Zur Eröffnung des Festivals am Vormittag durften alle die „Marseillaise“ singen. Intendant David Pountney gab den Ton an. Dann kam der große Regen. Die Wetterkapriolen am Bodensee ließen bis kurz vor Beginn keine sichere Prognose zu, ob das Spiel auf dem See überhaupt stattfindet. Doch es klappte. Und wie! » weiterlesen
Freitagsgedanken (Folge 1): Ich und es - das Publikum
Ich sitze im Atlantis-Kino beim donnerstäglichen Musikabend und lausche einem Trompeter, der sein Mundstück küsst. Plötzlich fliegt ein weißer Pullover über meinen Kopf hinweg und landet im Nacken des Herrn vor mir. Automatisch ducke ich mich in Erwartung einer Schimpfsalve, denn selbiger Herr fand das bestimmt nicht lustig. » weiterlesen

