Zur Wiederaufnahme von "Illusionen wie Schwanensee" am StaatsballettErgreifendes Taumeln in den Untergang
Was wird aus Münchens John-Neumeier-Repertoire, wenn ab Herbst Igor Zelensky das Bayerische Staatsballett übernimmt? Wer sicher gehen will und sich noch einmal eine Portion des Stoffs servieren lassen will, bevor er vielleicht für immer verschwindet, hat jetzt die Gelegenheit dazu. "Illusionen wie Schwanensee", die Fusion von Petipas Klassiker mit einem Psychogramm unseres Märchenkönigs Ludwig, steht in der Oper wieder auf dem Spielplan. Das Ensemble eröffnete die sechsteilige Serie mit einer hochemotionalen Vorstellung. » weiterlesen
Simon Solbergs "Odyssee" nach Homer am Münchner VolkstheaterVon nun an gilt's dem Krieg
Odysseus, der es mit den Göttern aufnimmt, der Listenreiche, immer Herr der Lage? Im Volkstheater zeichnet Simon Solberg ein anderes Bild des Helden. Und macht aus dem Krieg der Griechen gegen die Trojaner glaubhaft die Urkatastrophe der Menschheit. Sehenswertes Theater, diese "Odyssee" nach Homer, die Tour de Force durch die Geschichte der Gewalt. » weiterlesen
Zum 85. Geburtstag des Bildhauers Martin MayerMit Gottvertrauen und üppigen Feen
Seinen Keiler vor dem Jagdmuseum in der Münchner Fußgängerzone kennt jedes Kind. Auch den Franziskus oder die dralle Olympia. Am 16. Januar 2016 wurde der Münchner Bildhauer Martin Mayer 85 – ein Besuch bei ihm in der Borstei. Die eine räkelt sich ungezwungen am Boden. Zwei andere gucken Löcher in die Luft. Dazwischen öffnet eine Mollige verträumt die angewinkelten Beine, während einem die nächste ihr herrlich ausuferndes Gesäß entgegenstreckt. Ein bisschen wie in Ingres‘ „Türkischem Bad“ geht es hier zu. Nur sitzt der Pascha mittendrin: Martin Mayer lächelt, und seine durchdringenden blauen Augen leuchten herausfordernd. So viele Frauen – das macht ihm so schnell keiner nach. » weiterlesen
"Welten.Tänzer" - eine Körperanthologie von und mit Stefan Maria Marb im Schwere ReiterTanz ums goldene Ideal
"Im Gebirge ist der nächste Weg von Gipfel zu Gipfel: aber dazu mußt du lange Beine haben". Friedrich Nietzsches Zarathustra, dem das Denken ein Tanz ist, inspirierte Stefan Maria Marb, im Schwere Reiter, ausgehend vom Rückblick auf 25 Jahre seiner Welten als Tänzer und Choreograph, sich mit dem "Selig-Leichtfertigen" zu konfrontieren. Zarathustra, dessen guruhafte Lebensregeln stets im tönenden Erz göttlicher Bevollmächtigung erklingen - "Wahrlich, ich sage euch" -, Zarathustra, der Mussolini und Robert Walser entzückte, der Thomas Mann immerhin achtungsvoll verstörte, Zarathustra, für den die Metaphysiker Pharisäer waren, Zarathustra, der Freund der Wollust. Und widerspenstig selbst dem Autor. » weiterlesen
Eine Mischung aus Planetarium und Geisterbahn
"Painting 2.0. Malerei im Informationszeitalter" im Museum BrandhorstMammut-Schau mit Mut zur Behauptung
„Hört auf zu malen!“ war der Bild gewordene Widerspruch: Jörg Immendorff brachte seine Schaffenskrise als Beuys-Schüler 1966 mit einem – gemalten – Imperativ auf den Punkt. Ein großes Kreuz streicht ein Bett mit Beuys-Hut aus. Diese Trotz-Geste taugt zugleich als Symbol für die Identitätskrise der ganzen Gattung nach dem Missbrauch der Figuration und ausgereizter Abstraktion. Mit der Malerei ging es bekanntlich trotzdem weiter, sie wandelte sich, sichtbar verunsichert, manchmal bis zur Unkenntlichkeit. » weiterlesen
„Auf goldenem Grund“ - exklusive Trecento-Tafelbilder aus Thüringen in der Alten PinakothekEinmaliger Blick auf den Beginn der Neuzeit
Viel hat die Alpen nicht überquert. Aber ein bissl Giotto ist auch in den späteren Bayerischen Staatsgemäldesammlungen gelandet. Da besaß Ludwig I. durchaus Gespür für Qualität, als er zu Beginn des 19. Jahrhunderts nach früher italienischer Malerei Ausschau hielt und 1805 – da war er noch Kronprinz – das „Letzte Abendmahl“ (1311/12) für München erwerben konnte. Die quadratische Tafel mit rund 43 Zentimetern Seitenlänge ist ein wunderbares Beispiel, wie sich der Meister der Franziskus-Fresken in Assisi oder des ausgetüftelten Programms der Paduaner Arenakapelle geradezu kühn den Raum erobert. Und die Körper der Apostel bekommen Gewicht, der Wirklichkeit oder besser der Schwerkraft entsprechend lasten ihre Hintern auf einer Holzbank. Pfund für Pfund. » weiterlesen
Laure Prouvosts Installation im Haus der KunstTraum von einer angenehmeren Welt
Man könnte das Haus der Kunst als durch und durch maskuline Architektur bezeichnen: Ein geradezu aggressiv rechtwinkliges Monument des totalen Größenwahns. Aber dann hätte man sofort ein paar Männerrechtler am Hals. Laure Prouvost (geboren 1978) verpackt diese Deutung lieber charmant in ihren Vorschlag, wie man das Haus einladender gestalten könnte: „More boobs“. » weiterlesen
Schauspieler Walter Sedlmayr wäre jetzt 90 Jahre altDer Paradebayer
Neunzig Jahre eines unsteten Lebens voll scheinbarer Erfolge lägen jetzt hinter ihm. Ein Vierteljahrhundert lang gehörte er zum Ensemble der Münchner Kammerspiele. Aber nie hatte er eine tragende Rolle bekommen. Eigentlich war er auch gar nicht beliebt unter seinen Kollegen. Ihnen war der füllige, oft herumnörgelnde, etwas verklemmte, am 6. Januar 1926 in München geborene Kleindarsteller, der es gerade mal zum Zuhälter in der „Dreigroschenoper“ und zu Nebenrollen im Heimatfilm brachte, immer ein bisschen zu patzig, wohl auch zu hinterfotzig. Dass ihn jedoch eben diese Eigenschaften einmal zum Star machen sollten, konnte damals niemand ahnen. » weiterlesen



