Theater
Sommertheater (Folge vier): "Die Legende vom Heiligen Trinker" in der Roten Sonne – Komm, schenk noch einen ein
Wodka oder Jägermeister? Vor der Eingangstür steht ein Engel, klimpert mit den Wimpern und stellt einen vor die Wahl. Wodka. Runter damit. Und dann die Treppe runter in die „Rote Sonne“, dort gibt es heute Joseph Roths „Legende vom Heiligen Trinker“ zu sehen. Weil einem die Entscheidung, ob man heute Abend Alkohol trinkt oder nicht, gleich zu Beginn des Abends so zuvorkommend abgenommen wurde und man sich in einer Kneipe, also quasi an der Quelle befindet und zudem Durst hat, spricht eigentlich nichts dagegen, dass man sich gleich mal ein Bier holt. Oder einen Prosecco. Oder einen Wodkabull. Oder einen Gin Tonic. Was man halt mag. » weiterlesen
Puccinis "Edgar" in der Allerheiligen Hofkirche: eine Münchner Erstaufführung nach mehr als hundert Jahren
Regisseur Andreas Wiedermann hatte eine Idee. Bei ihm beginnt Puccinis Frühwerk "Edgar" mit einem zehnminütigen, stummen Defilee des Chores: Von links rennen, hasten oder schlurfen die einzelnen Akteure über die Bühne zu einem am rechten Rand stehenden Schreibtisch, an dem der Held Platz genommen hat. Geduldig stempelt er Formulare. Ein kleiner Beamter schiebt Dienst - und träumt ganz nebenbei davon, einmal ein richtiger Supermann zu sein. » weiterlesen
Sommertheater (Folge drei): Komödien im Bayerischen Hof und Blutenburg-Theater – Ein Mord, zwei Erkenntnisse
Noch bevor der Vorhang aufgeht, wird schon munter gekichert. Es ist aber auch lustig, wenn man aufgefordert wird, das Handy auszuschalten. Als der Vorhang dann endlich zur Seite rauscht, hebt ein begeistertes Lachgebrause an, warum wird allerdings nicht ganz klar. Vielleicht liegt es ja an dem Mann auf dem Sofa. Ist das etwa schon die Leiche? » weiterlesen
Kunst für alle Sinne - Fünf postdramatische Projekte im Salzburger Museum der Moderne
Im Museum hält man normalerweise die Augen offen: Man will ja was sehen. Doch wer der Einladung des Londoner Künstlerduos Lundahl & Seitl ins Salzburger Museum der Moderne auf dem Mönchsberg folgte, musste sich auf andere Sinne verlassen. » weiterlesen
Interview mit Hans Well zur Auflösung der Biermösl Blosn: "Ab sofort kann ich mein Tempo selbst bestimmen"
Sie waren das politische Gewissen Bayerns, haben unermüdlich gegen das bräsige CSU-tum angesungen, die Volksmusik reanimiert, von Anfang an gegen Atomkraft demonstriert und überhaupt immer das Maul aufgemacht, wo man es auftun sollte, wenn man ein Hirn hat und das auch ab und an zum Denken benutzt. Nun haben die drei Well-Brüder bekannt gegeben, dass sie zum Jahresende aufhören werden. Wie geht es jetzt weiter? » weiterlesen
Sommertheater (Folge zwei): Impro im Theater …und so fort – Haare, Haare Krishna
Ihre Laune hängt lustlos an ihnen herunter, die Tage sind gespalten und dünn, die Nächte glanzlos und am Ansatz schon leicht grau? Ein guter Zeitpunkt sich ein paar Lockenwickler ins Leben drehen zu lassen: „Naschen, fegen, tönen“ ist die mittlerweile zweite Live-Sitcom von „Isar 148“, der alteingesessenen und mehrfach ausgezeichneten Münchner Impro-Truppe. Schauplatz ist ein Frisörsalon irgendwo im schönen Schwabing, mittendrin im Schickimicki, wo der Prosecco schäumt und der Wahnsinn tobt. » weiterlesen
Weg mit dem Dreck: Ostermeier inszeniert "Maß für Maß" in Salzburg
Mit dem Kärcher wollte Nicolas Sarkozy Frankreich reinigen von gewalttätigen Randalierern. Lord Angelo erledigt das lässig mit einem Gartenschlauch. Kaum hat der Saubermann in der Lotterbude Wien die Macht übernommen, spritzt er mit Hochdruck den moralischen Dreck aus dem Guckkasten, dass die Schmutzbrühe nur so an den Goldwänden herunterrinnt. » weiterlesen
Sommertheater (Folge 1): Teamtheater Tankstelle – wo die Zaubernacht so kuschelig ist
Es gibt viele Gründe, auch im Sommer ins Theater zu gehen. Im Biergarten regnet es, im Kino läuft nichts, was man noch nicht gesehen hätte, oder man kennt jemanden, der jemanden kennt, der mitspielt. Der wahrscheinlichste Grund aber ist dieser: Man ist weiblich, knapp unter 60, Mitglied der Theatergemeinde und fährt erst Anfang Oktober wieder in den Urlaub. » weiterlesen
Ausgerutscht im Blättergeriesel: Handkes "Immer noch Sturm" in Salzburg
Es regnet grüne Blätter. Unentwegt vier Stunden lang. Auf den Blättern am Boden rutscht der Schauspieler Jens Harzer wiederholt artistisch-komisch aus. Ausgerutscht ist auch Peter Handke am Ende seiner Familiensaga „Immer noch Sturm“: Da muss Harzer als Autoren-Ich von Handke dessen Selbstbefragung in einer Endlos-Suada monologisieren, die das letzte Interesse an dieser fünfstündigen Uraufführung abtötet. Für die Salzburger Festspiel-Inszenierung von Dimiter Gotscheff auf der Perner-Insel gab dennoch großen Applaus für die Schauspieler und auch für den 68-jährigen Handke, der linkisch ins Publikum zurückwinkte. » weiterlesen
Mephistos, überall: Salzburg wagt mit "Faust I und II" einen monströsen Kraftakt
„Das Unzulängliche, hier wird's Ereignis/ Das Unbeschreibliche, hier ist's getan“: Trefflicher als mit diesem selbstironisch verpopten Schlusschor beim Musical-Finale lässt sich Nicolas Stemanns „Faust I + II“-Inszenierung bei den Salzburger Festspielen kaum auf den Nenner bringen. „Faust I“ - das kann jedes Stadttheater. Doch dazu den ausufernden und als unspielbar geltenden Teil II von Goethes Opus magnum auf die Bühne zu bringen, das wagten zuletzt Burg-Chef Matthias Hartmann 2009 und Peter Stein mit seiner ungekürzten, staatstragenden Zwei-Tage-Aufführung bei der Expo 2000. » weiterlesen

